Die 5 wichtigsten Tipps zur Immunstärkung nach der TCM

Um den Begriff Krankheit und Gesundheit nach der Traditionellen Chinesischen Medizin zu verstehen, muss man etwas von unserem westlichen Denken abweichen. Wir befinden uns in einem ständigen Fließgleichgewicht von Yin und Yang, von zwei Gegensätzen, die, wenn sie ausgewogen sind, Gesundheit bedeuten. Wenn einer der beiden Gegensätze überwiegt entsteht ein Ungleichgewicht, welches Störungen verursachen kann. Wenn diese Störungen länger andauern, kann Krankheit entstehen. Ziel der Chinesischen Medizin ist es also, dieses Fließgleichgewicht ständig aufrecht zu erhalten, um Krankheiten zu vermeiden. Es gibt viele Faktoren, die das Gleichgewicht aus der Bahn werfen können. Die TCM unterscheidet hier zwischen „inneren“ und „äußeren“ pathogenen Faktoren. Neben diesen Faktoren können auch Konstitution, Ernährung, Lebensweise und eine falsche Behandlung von Beschwerden das Fließgleichgewicht und somit den Gesundheitszustand beeinflussen.

Heute möchte Dir etwas über die äußeren Faktoren erzählen, denn diese werden auch bioklimatische Faktoren bzw. Witterungseinflüsse bezeichnet. Davon gibt es fünf:

  • Wind
  • Kälte
  • Feuchtigkeit/Nässe
  • Hitze
  • Trockenheit

Diese fünf Faktoren kommen oftmals nicht alleine, sondern kombiniert vor. Sie greifen den Körper an und wenn dann die Immunabwehr geschwächt ist, kommt es zu sogenannten „äußeren Erkrankungen“. Eine Kombination aus Wind und Kälte kann somit zu einem grippalen Infekt führen. Bei uns sind diese beiden Faktoren neben der Feuchtigkeit sehr häufig vorkommende Ursachen für Erkältungen. Wer kennt das nicht, der kalte Wind pfeift einem um die Ohren, man ist vielleicht auch noch nicht auf das Herbstwetter eingestellt und nicht entsprechend gekleidet, und schon ist er da der Schnupfen, das Halsweh, das Ohrenstechen oder gar der Husten.

Was hält die bioklimatischen Faktoren auf?

Chinesisch ist es das sogenannte Wei-Qi oder Abwehr-Qi, eine Energieform, die an der Körperoberfläche zirkuliert und den Körper vor Eindringlingen, wie es die klimatische Einflüsse sind, schützt. Ob das Wei-Qi gut arbeitet, hängt vom Qi der Niere, der Mitte (Milz und Magen) und der Lunge ab. Also, Du siehst schon, es ist etwas komplexer das Ganze. Um das Wei-Qi zu stärken, müssen wir also auch die Energie der Funktionskreise Niere, Mitte und Lunge stärken. Doch wie machen wir das? Hier bietet uns die Diätetik nach der Traditionellen Chinesischen Medizin, also die Ernährung, ausgezeichnete Möglichkeiten, wie wir unsere Immunabwehr stärken können. Mit den folgenden 5 Tipps bist Du gut gerüstet für die kalte Jahreszeit.

Tipp 1: Pikante Gewürze verwenden

Der pathogene Faktor Wind ist oft die Trägersubstanz für weitere Faktoren, nämlich für Kälte oder für Hitze. Wind schafft es, dass Kälte oder Hitze in den Körper eindringen kann. Mit pikanten Gewürzen, wie zum Beispiel frischer Ingwer, Frühlingszwiebel und Knoblauch kann vor allem Wind-Kälte vertrieben werden. Die Gewürze haben eine scharf-warmen bis scharf-heißen Geschmack und wirken daher nach außen und an der Oberfläche. Sie öffnen die Poren und bringen die Kälte nach außen.

Ingwer, frisch

Frischer Ingwer

Wichtig ist, frischen Ingwer zu verwenden, denn getrockneter Ingwer hat ein andere Wirkung. Der frische Ingwer wärmt und wirkt schweißtreibend. Er harmonisiert die Mitte und löst Schleim in der Lunge. Ingwer wirkt genau auf die Organsysteme, die wir brauchen um das Wei-Qi zu stärken. Also kleine Mengen Ingwer ins Essen, wenn man zu Kälte neigt, sich Erkältungen mit Frösteln, Fließschnupfen und Niesen ankündigen. Ingwer ist ungeeignet, wenn man zu Hitzegefühlen neigt.

Frühlingszwiebel

Wirkt ebenfalls, wie der frische Ingwer bei Erkältungen im Frühstadium mit Fließschnupfen, Frösteln und Kältegefühlen. Frühlingszwiebel sollte nicht bei vermehrtem Schwitzen verwendet werden.

Knoblauch

Knoblauch wärmt sehr stark und hat einen scharf-heißen Geschmack, im Vergleich zu frischem Ingwer und Frühlingszwiebel, die scharf-warm sind. Zu Beginn der kalten Jahreszeit vertreibt Knoblauch Kältegefühle und einen kalten Bauch. Bei beginnender Erkältung kann er wie seine beiden oben erwähnten Kollegen ebenso eingesetzt werden, aber auch bei chronischem Husten mit Kältegefühlen. Bei Hitze darf Knoblauch nicht verwendet werden, da er Hitzebeschwerden sehr intensiv verstärken kann.

Tipp 2: Kraftsuppen stärken die Immunabwehr

Schon unsere Großmütter haben sie gekocht, mit Vorliebe in der kalten Jahreszeit, die klaren Kraftsuppen, wie Rindsuppe, Hühnersuppe oder einfach nur eine Brühe aus Knochen, wenn mal kein Fleisch oder Huhn zur Verfügung war. Kraftsuppen stärken unsere Energie auf sehr vielfältige Weise. Die Chinesische Medizin kennt aber nicht nur wärmende Kraftsuppen. Je nach Konstitution und Befinden können Kraftsuppen an die individuelle Situation angepasst werden. Individuelle Suppenrezepte, die zu Deinem Befinden und zu Deiner Konstitution passt, dazu braucht es eine Ernährungsberatung. Eine Suppe, die in fast jeder Situation passend ist, ist unsere altbewährte Rindsuppe aus Knochen, Rindfleisch, Wurzelgemüse und ein paar Kräutern und Gewürzen. Jeden Tag einen halben Liter klare Suppe über den Tag verteilt trinken, entweder zu den Mahlzeiten oder dazwischen, stärkt das Qi von Milz, Lunge und Niere, also wieder genau das, was unser Wei-Qi stärkt.

Erst kürzlich hat meine liebe Kollegin, Ruth Rieckmann, ein ganz tolles Buch zum Thema Kraftsuppen & Essenzen, Heilen und genießen mit den fünf Elementen herausgegeben. Das Buch kannst Du entweder direkt bei ihr bestellen oder auch bei mir in der Praxis kaufen.

Scharf-saure Hühnersuppe mit Shiitake
Foto: Mag. Susanne Lindenthal

Tipp 3: Saisonale und regionale Gemüseprodukte

Die Chinesische Medizin unterscheidet die Lebensmittel nicht nur aufgrund ihrer Wirkungsweise auf unterschiedliche Organsystem, sondern auch aufgrund ihrer thermischen Wirkung. Es gibt kalte, kühlende, neutrale, warme und heiße Lebensmittel. Spannend ist, dass die Natur auch bei uns dafür gesorgt hat, dass genau das zur Verfügung steht, was wir gerade brauchen. Kraut & Rüben, also Gemüse, welches im Herbst und Winter vermehrt verfügbar ist, hat eine thermisch neutrale bis warme Wirkung und stützt die Mitte. Das heißt, wenn wir uns auf die Gemüsesorten besinnen, die wir traditionelle jetzt im Herbst und im Winter bekommen, und nicht auf Gemüsesorten, die weit hergereist sind, dann stärken wir damit auch unsere Mitte. Zudem sind gerade im Herbst und Winter Gemüsesorten wie Schwarzer Rettich und Radieschen erhältlich. Rettich hat einen scharf-warmen Geschmack und wirkt besonders auf die Lunge. Pilze haben ebenfalls im Herbst Hochsaison und wie bereits in meinem Artikel über die 6 wichtigsten Vitamine und Mineralstoffe erläutert, sind es vor allem die Shiitakepilze, die sich positiv auf das Immunsystem auswirken.

Tipp 4: Eintöpfe und Aufläufe

Wenn schon die Lebensmittel nicht wärmend wirken, können wir Wärme durch die Art der Zubereitung in unser Essen zaubern. Yangisieren nennt man das im Fachjargon. Das heißt wir bringen Yang-Energie, also Wärme, zusätzlich durch das Kochen in die Speisen. Besonders wärmend sind hier Zubereitungsmethoden wie langes Kochen oder das Zubereiten im Backrohr und hier sind wir bei den Eintöpfen und Aufläufen. Nicht umsonst haben unsere Großmütter im Winter Gulasch gekocht, oder Jägerfleisch, oder einen Reisauflauf ins Rohr geschoben. All diese Gerichte wärmen von Innen und stärken die Mitte. Und die starke Mitte sorgt wiederum für eine starkes Wei-Qi

Tipp 5: Frühstücken, wenn möglich warm und gekocht

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt ein warmes, also ein gekochtes Frühstück als Energiespender um gut genährt in den Tag zu starten, ohne den Körper zu belasten. Denn Gekochtes ist wesentlich bekömmlicher als Rohes. Doch nicht nur die Chinesische Medizin und die 5 Elemente Ernährungslehre sagen das. Machen wir wieder einen Blick in der Vergangenheit, so waren Hirse– und Haferbrei, Polenta und Sterz, die bei uns für einen guten Start in den Tag gesorgt haben. Das Sprichwort, ich strapaziere es immer wieder gerne, „Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann“ kommt nicht von ungefähr. In der Früh ist laut der Organuhr die Verdauungskraft am stärksten. Ab Abend hingegen, ist sie am schwächsten und wenn wir – wie heute in vielen Familien üblich – zu Abend im Kreise der Familie die Hauptmahlzeit zu uns nehmen, belasten wir unseren Körper damit sehr stark. Der Körper muss dann noch arbeiten um das oftmals schwere Essen zu verdauen, anstatt sich aus den Reserven, den Fettdepot, zu bedienen. Das hat zur Folge, dass wir dann in der Früh gar keinen Hunger haben und der Kreislauf beginnt von vorne. Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen, die abends mehr essen als morgens oder das Frühstück ausfallen lassen, leichter zu Übergewicht neigen, also solche, die ausgiebig Frühstücken.  Zudem schwächt es die Abwehr, wenn wir ohne Energie von Außen das Haus verlassen. Wie ich jetzt schon mehrmals erwähnt habe, braucht es eine starke Mitte, um das Wei-Qi stark zu halten und die bekommen wir mit einem guten Frühstück. Ich empfehle meinen Klienten gerne meinen Blitzgetreidebrei, der schmeckt meist der ganzen Familie und kocht sich quasi von selbst, während man noch mit der Morgentoilette beschäftigt ist.

Hirsebrei

Hirsebrei
Foto: http://de.123rf.com/profile_tilzit

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen, gesunden und genußvollen Herbst und viel Energie beim Ausprobieren der 5 Tipps.

Welche der 5 Tipps hast Du schon ausprobiert?

Wie sind Deine Erfahrungen damit, ich freue mich über Deine Kommentare!

 

Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum Anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.

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Karfiol schlägt Kürbis – der neue Trend › essenbelebt - 13. November 2017 Reply

[…] kühleren Jahreszeit, wenn unser Immunsystem Unterstützung braucht. Du kannst das auch in Artikel Die 5 wichtigsten Tipps zur Immunstärkung nach der TCM […]

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