(P)ups, wir sprechen über Flatulenzen

Ein Thema, über welches man normalerweise nicht so gerne spricht. Eines der vielen Tabu-Themen in unserer Gesellschaft und dennoch sind sie allgegenwärtig – die Blähungen oder schöner ausgedrückt, die Flatulenzen.

Woher kommt das Wort „Flatulenz“ und was verbinden wir mit Blähungen?

Für diesen Artikel habe ich mich einmal ein bisschen schlau gemacht, woher das Wort „Flatulenz“ überhaupt kommt. Flatulenz ist aus dem lateinischen Wort flatus abgeleitet, was soviel heißt wie „Wind“ oder „Blähung“ und gemeint sind damit die verstärkt vom Körper produzierten Gase, die rektal – also hinten raus – entweichen, als Flatus sozusagen.

Ein Flatus, umgangssprachlich oft Schas (auch Schaas geschrieben) oder Furz oder eben auch Pups genannt, ist natürlich meist nichts Angenehmes, denn entweder hinterlässt er ein für die Umwelt hörbares eindeutiges Geräusch oder einen für die Umwelt meist als sehr unangenehm wahrnehmbaren Geruch. Am schlimmsten ist die Kombination aus Beidem.

Ich habe als Kind schon diesen Spruch gehört und konnte leider nicht mehr eruieren, wo er herstammt:

Salomon der Weise, sprach zu seiner Frau:
„Sarah, laute Schase stinken nicht, aber diese leisen, diese butterweichen, die so durch die Hose schleichen,
Sarah, davor fürchte dich, denn die stinken fürchterlich!“

Diese und ähnliche „Furzgedichte“ gibt es zu Hauf, ich denke, Dir fallen bestimmt da auch gleich ein paar dieser Reime ein. Obwohl das Thema tabuisiert wurde, gibt es in der weiten Welt des Internet massenhaft dieser fragwürdigen Kunst. Und wenn einem in gesellschaftlicher Runde ein solcher Furz entwischt, steht man meist nicht gut da. Solch ein Missgeschick erntet – je nach gesellschaftlichem Kreis – ein Naserümpfen, ein Augenbrauen-hochziehen, ein Kopfschütteln,  oder aber auch Gelächter und doofe Sprüche.

Keine dieser Reaktionen ist angenehm für die Betroffenen, daher lernen wir schon sehr bald, dass Darmwinde nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben und wir lernen, die Pobacken fest zusammenzudrücken und so etwas tunlichst zu vermeiden. Wenn einem dann doch mal so ein kleiner Pups entwischt, ist das für die meisten Menschen eher peinlich – wenn man aus dem Alter rausgewachsen ist, wo man noch Wett-Furzen und Wett-Rülpsen veranstaltet hat.

Doch was ist jetzt die gesundheitliche Komponente an der ganzen Blähungsgeschichte? Warum beschäftige ich mich mit solch einem doch etwas heiklen und unangenehmen Thema?

Ich sage immer: raus mit dem Zeug, das hat nichts im Körper verloren, so unangenehm so ein Pups auch ist, lass ihn raus. Es muss ja nicht unbedingt beim Kaffeekränzchen bei der Oma sein. Man kann sich dafür ja bestimmt mal auf die Toilette, in einen anderen Raum oder nach Draußen verziehen. In der frischen Luft stört das auch nicht.

Fakt ist, Blähungen müssen nicht sein. Doch wenn sie entstehen, denn müssen die auch raus aus dem Körper. Denn wenn so ein Pups quersitzt – sagen wir halt mal so – oder festsitzt (Flatus incarceratus) im Darm, dann kann das zu sehr unangenehmen Bauchkrämpfen und Blähbäuchen kommen. Meteorismus (übermäßige abdominelle Gasansammlung) nennt das die Wissenschaft.

Diese Störungen werden zu den funktionellen Störungen gezählt. Das heißt, es ist keine Erkrankung im eigentlichen Sinn, sondern eine Funktion im Körper ist gestört. Damit ist die Suche nach der Ursache auch meist etwas schwerer, denn die Ursachen können mannigfaltig sein. Schauen wir uns das im Detail an.

Wie entstehen Blähungen?

Unser Körper leistet Großartiges, wenn er Nahrung, die von außen kommt, also im Grunde genommen ein Fremdkörper ist, durch den gesamten Verdauungstrakt schleust und in so kleine Bestandteile zerlegt, dass sie durch die Darmzellen in unseren Körper und in unseren Blutkreislauf aufgenommen werden kann. Von dort werden diese kleinen Bausteine dann an die Zellen weitergeleitet, die diese Bausteine gerade am nötigsten brauchen oder weiterverarbeiten müssen. Einen kurzen Einblick über den Weg der Nahrung habe ich im Artikel Der Weg des Apfelstrudels durch den Körper gegeben. Ein hochkomplexes und faszinierendes System haben wir da mit unserer Verdauung im Körper.

Dabei spielt natürlich die Zusammensetzung und die Konsistenz der Nahrung eine wesentliche Rolle für das Funktionieren unserer Verdauung. Diese hat einen Einfluss auf die Verweildauer der Nahrung im Magen und im Darm und auf den Weitertransport des Nahrungsbreies.

Wenn der Nahrungsbrei zu schnell und in zu großen Mengen an den Darm abgegeben wird, kann das zu einer Überforderung der Zellen im Dünndarm führen. Dadurch können noch unverdaute Nahrungsbestandteile in tiefere Darmabschnitte gelangen, wo sich die Bakterien über ein Überangebot an Nahrung sehr freuen, diese fermentieren, also verdauen und dabei Gase produzieren.

Ballaststoffe – und welche Rolle spielen sie in der Verdauung

Unser Körper kann nicht alles bis auf das kleinste Molekül zerlegen. Für manche Nahrungsbausteine fehlen uns dafür die Enzyme, die die größeren Moleküle in kleinere aufspalten könnten. Oder wir haben das entsprechende Transportprotein nicht im Körper, also das Taxi, welches diese Molekül durch die Darmwand ins Blut bringt.

Wir fassen das mal im Groben als Ballaststoffe zusammen. Wer sich etwas mit Ernährung beschäftigt, weiß ja längst, dass Ballaststoffe einen gesundheitlichen Nutzen haben:

  • sie vergrößern das Nahrungsvolumen im Magen ohne den Energiegehalt der Nahrung maßgeblich zu erhöhen, d.h. sie machen schneller satt ohne die Kalorienzufuhr zu erhöhen
  • einige binden Wasser, was ebenfalls zu einer Volumensvergrößerung und damit Magendehnung führt – ein wichtiges Signal für’s Gehirn, dass wir genug gegessen haben und satt sind
  • sie verlängern die Magenverweildauer, d.h. der Nahrungsbrei wird nur in kleinen Portionen an den Darm weitergegeben, der Darm somit nicht mit einer Nährstoff-Flut überlastet (ist beispielsweise wichtig bei einer Fruktose-Malabsorption)
  • sie sind gut für die Peristaltik im Darm – also dafür dass der Darm sich bewegt und den verdauten Nahrungsbrei weitertransportiert
  • sie dienen als Nahrung für unsere Mitbewohner im Darm, für unsere Darmflora, die Darmbakterien (Mikrobiom), die einen maßgeblichen Anteil am Verdauungsgeschehen haben und liefern vor allem kurzkettige Fettsäuren
  • sie binden im Darm Toxine und Gallensäuren, die dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Du siehst, Ballaststoffe sind grundsätzlich schon sehr vorteilhaft. Wir unterscheiden sie außerdem in wasserlösliche und wasserunlösliche Ballaststoffe. Die wasserunlöslichen Ballaststoffe gehen durch unseren Darm durch und werden auch so mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Ein Beispiel dafür ist die Cellulose. Das ist der Zellwandbestandteil in allen Pflanzen, der also auch in Getreide, Obst und Gemüse vorkommt.

Nur die wasserlöslichen Ballaststoffe, die dienen dem Mikrobiom als Nahrung, werden von den Bakterien fermentiert, also abgebaut, und dabei entstehen Gase:

  • Methangas
  • Kohlendioxid
  • Schwefelwasserstoff sowie andere
  • Gär- und Faulgase

Normalerweise nimmt der Körper diese Gase wieder auf, die gehen über die Darmwand ins Blut, dann in die Lunge und werden über die Atemluft abgeatmet – klingt grausig, ist aber so und das merken wir auch nicht wirklich.

Blöd wird es erst, wenn der Darm dieses Gase nicht mehr resorbieren, also aufnehmen kann, dann müssen diese Gase anderweitig raus, und das ist eben rektal, also hinten raus. Das ist dann der Fall, wenn zu viel Gas produziert wird.

Einer dieser wasserlöslichen Ballaststoffe ist Inulin. Inulin ist ein unverdaubares Kohlenhydratmolekül (ein Polysaccharid aus Fruktosebausteinen), welches beispielsweise verstärkt in Topinambur, Chicorée, Artischocken und Schwarzwurzeln vorkommt. Vielleicht ist es Dir ja schon mal aufgefallen, dass Du nach dem Genuss einer Topinambur-Suppe besonders viel pupsen musst. Das war dann eindeutig zu viel für den Darm.

Zu hastiges Essen

Wenn es besonders gut schmeckt und das Essen hinuntergeschlungen wird, kaum gekaut und dabei noch sehr viel Luft mit geschluckt wird, kann das auch eine der Ursachen für zu viel Gas in Magen und Darm sein. Wenn das Gas dann nicht durch Aufstossen oder Rülpsen seinen Weg nach draußen findet, landet auch das im Darm.

Diese Wirkung könnten auch kohlensäurehaltige Getränke haben. Denn auch hier schlucken wir das Gas gleich mit. Gerade Menschen mit sehr sensiblen Därmen erzählen mir davon, dass sie kohlensäurehaltige Getränke ganz schlecht vertragen. Das ist sicher auch eine sehr individuelle Sache, wie empfindlich Magen und Darm sind.

Weitere Ursachen

Wir haben jetzt die Zusammensetzung der Nahrung, den Anteil an Ballaststoffen und geschluckte Luft als Ursache für Flatulenzen gefunden. Allerdings können es auch Unverträglichkeiten sein, die sich in Blähungen und Verdauungsstörungen äußern:

  • Fruktose-Malabsorption – mehr darüber erfährst Du im Artikel Wenn Obst im Bauch zur Qual wird
  • Laktose-Intoleranz, hier haben wir nicht genug Enzym, um den Milchzucker zu spalten. Daher wandert dieser in tiefere Darmabschnitte und die Darmbakterien feiern ein Fest – und produzieren Gas
  • Histamin-Intoleranz, hier fehlt ebenfalls ein Enzym, welches das überschüssige Histamin (ein biogenes Amin) abbauen kann oder eine zu hohe Eigenproduktion an Histamin und damit ein Ungleichgewicht zwischen zu viel vorhandenem Histamin und zu wenig abbauendem Enzym
  • Eiweißbestandteile in der Nahrung können Auslöser sein, vor allem Milcheiweiß
  • Gluten (und diese sind per se nicht böse!) können ebenfalls Auslöser sein. Gluten sind die Eiweißbestandteile im Getreide und da vor allem im Weizen, nicht weil Weizen ein schlechtes Getreide ist, nein, das ganz bestimmt nicht. Der Anteil an Gluten im Weizen wurde im letzten Jahrhundert nur massiv hochgezüchtet, da das Getreide so wesentlich bessere Backeigenschaften mit sich bringt und das war ein wesentlicher Vorteil für die industrielle Erzeugung von Backwaren. Für diese große Menge an Gluten können empfindliche Därme entsprechend reagieren.

Selbstverständlich hat diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das sind nur die häufigsten Auslöser für Flatulenzen und die, die auch mit einer entsprechenden Ernährungstherapie beseitigt werden können.

Wenn Dich jetzt meine Arbeitsweise genauer interessiert und Du wissen möchtest, ob es auch für Dich an der Zeit ist, mal auf Deinen Bauch zu schauen, dann mach doch einfach mal meinen kostenlosen Bauch-Test.

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Was tun bei Blähungen?

Wenn sie nicht chronisch sind, nur hin und wieder auftauchen, kannst Du mal beobachten, bei welchen Lebensmitteln Du Blähungen bekommst. Sind es solche, die besonders viele lösliche Ballaststoffe enthalten, wie die oben erwähnten Gemüsesorten Topinambur usw.? Dann kannst Du versuchen, die Dosis bei diesen Lebensmitteln so zu reduzieren, dass Dein Darm die Menge gerade noch verträgt. D.h. Du mischt das Gemüse am Besten mit anderen Gemüsesorten und isst sie nicht mehr pur.

Lauchgemüse und Kohlgemüse zählen ebenso zu den Sorten, die eher Blähungen verursachen können. Da hilft es schon mal zu beobachten, ob man auf das eine oder andere stärker reagiert und dann die Mengen etwas reduziert.

Hülsenfrüchte haben ebenso blähende Substanzen. Der Körper kann aber lernen mit diesen Ballaststoffen umzugehen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Dazu muss man die Verdauung „trainieren“. D.h. man beginnt mit kleinen Mengen und steigert diese langsam.

Verdauungsfördernde Gewürze und Kräuter sollten ein fixer Bestandteil im Speiseplan sein. Dazu zählen die Klassiker Kümmel, Fenchel und Anis, aber auch Dill, Basilikum, Majoran und Oregano haben eine verdauungsfördernde (karminative) Wirkung.

Wenn Deine Beschwerden bereits chronische Ausmaße angenommen haben, solltest Du dringend eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, denn langfristig können Blähungen und Blähbäuche bzw. -krämpfe eine massive Belastung für den Körper und auch für Dich im Alltag sein. In meiner Beratung finde ich die für Dich passende Lebensmittelkombination, die Dich mit allen Nährstoffen versorgt, die Du brauchst und die Dir so gut wie keine Beschwerden bereitet. Gerne kannst Du mich dafür für eine unverbindliche kostenlose Erstanalyse kontaktieren.

Was sagt die TCM dazu?

Blähungen in der Traditionellen Chinesischen Medizin sind ein Zeichen dafür, dass die Mitte, also die Verdauungskraft überlastet ist. Sie werden oftmals mit einer Milz-Qi-Schwäche gleichgesetzt. Auch Stagnation des Qi kann als Ursache für Blähungen gesehen werden und eine Beteiligung des Holz-Elementes. Aufgrund meiner Erfahrung ist es oft eine Kombination aus beidem, es sind Ungleichgewichte in den Elementen Erde und Holz.

Die Empfehlungen der TCM lauten daher:

  • Bewegung in Form von Spaziergängen an der frischen Luft (für das Holz-Element)
  • Meiden von blähenden Lebensmitteln
  • Verwenden von verdauungsfördernden Gewürzen und Kräutern

Diese Empfehlungen führen mich auch wieder zurück zur Ernährungswissenschaft, denn auch hier sagt man, dass ein Verdauungsspaziergang oft Wunder für die Verdauung wirken kann und das mit den blähenden Lebensmitteln und den karminativen Gewürzen hatten wir oben schon.

Wie Du siehst, gehen auch hier wieder einmal beide Denkmodelle konform.

Wie geht’s Dir mit dem Thema Flatulenzen? Findest Du auch, dass das ein Tabu-Thema ist, oder sollte mal darüber gesprochen werden?

Ich freue mich über Deine Kommentare!

Susanne Lindenthal
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Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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