Himbeere, ein Bluttonikum

Himbeere ein Bluttonikum

Die Himbeere ist ein Rosengewächs

Die Himbeere [Rubus idaeus] zählt zur Familie der Rosengewächse [Rosaceae] und ist eine wirklich einheimische Pflanze und das seit jeher. Sie ist nicht etwa eingewandert, nein, sie hat sich in genau unserer gemäßigten Klimazone annähernd rund um den Globus ausgebreitet. Sie mag genau diese subalpinen Gebiete, wie sie bei uns vorzufinden sind. Erste Funde reichen bereits in die Steinzeit zurück. Kultiviert wurde sie allerdings erst im 16. Jahrhundert.

Botanisch gesehen

Botanisch gesehen ist die Himbeere eine Sammelsteinfrucht und keine Beere, wie es beispielsweise die Ribisel ist. Das bedeutet, dass sich die Blütenachse vorwölbt und aus den vielen einzelnen Fruchtblättern rund um die Blütenachse bildest sich jeweils eine kleine Steinfrucht. Diese sind dann rund um die Blütenachse angeordnet und bilden die uns bekannte Frucht. Eine Beere unterscheidet sich darin, dass sie eine Einzelfrucht ist, die aus einem einzigen Fruchtknoten entstanden ist. Eine weitere Sammelsteinfrucht ist die Brombeere. Im Gegensatz zur Brombeere löst sich die Himbeere ganz leicht vom Blütenboden. Sie ist also nur lose damit verbunden.

Himbeere, eine Sammelsteinfrucht

Andere Steinfrüchte sind Zwetschken, Marillen, Kirschen oder auch die Mango. Bis auf die Mango sind das alles Rosengewächse. Man stelle sich vor, so eine Steinfrucht würde eine Sammelfrucht bilden. Lauter Marillen rund um eine Blütenachse angeordnet, ich schätze, das würde eine Frucht von mindestens einem halben Meter Durchmesser ergeben 😉

Wann hat die Himbeere Saison?

Die Erntezeit der Himbeere ist je nach Sorte unterschiedlich und reicht von Juni bis in den Spätherbst. Bei den vielen Sorten wird zwischen Sommerhimbeeren und Herbsthimbeeren unterschieden. Herbsthimbeeren werden auch remontierende Sorten genannt, das heißt, dass sie mehrmals jährlich tragen, wenn man sie lässt und die Triebe nach der Ernte nicht abschneidet. Mittlerweile gibt es sehr große, aromatische Sorten, kleinere und feste Früchte, etwas saurere und etwas süßere Züchtungen und auch farblich verschiedene Nuancierungen, die von weiß-gelb bis dunkelrot reichen. Manche Sorten bringen sogar schwarze Früchte hervor.

Himbeeren

Kann man Himbeeren gut lagern?

Himbeeren sind sehr schwer lagerfähig. Sie gehören zu jenen Früchten, die nach der Ernte nicht nachreifen und können auch nur im Kühlschrank maximal ein bis zwei Tage gelagert werden. Man sollte die Beeren nur im Notfall waschen, denn die empfindliche Fruchtwand platzt leicht auf. Schlechte Himbeeren oder vom Schimmel befallene sollten sofort aussortiert werden. Wenn man die Beeren für die spätere Verwendung im Ganzen aufheben möchte, eignet sich genau genommen nur das Tiefkühlen. Dazu gibt man die Himbeeren am besten lose auf ein Tablett oder Backblech und friert sie ein. Wenn die Früchte tiefgekühlt sind, kann man sie getrost in ein Tiefkühlgefäß oder –sackerl geben und so bis zu einem Jahr lagern.

Wie überwintert die Himbeere?

Die Pflanze selbst ist ein sogenannter Scheinstrauch, der mithilfe eines Rhizoms überwintert. Die aufrechten Sprossachsen wachsen jährlich neu aus diesem Wurzelspross. Die Himbeere bildet auch gerne unterirdisch wachsende Kriechsprosse aus, aus denen neue Pflanzen entstehen können, zum Leidwesen mancher Gartenbesitzer, denn sie kann so auch schnell zum lästigen Unkraut werden. Ab dem zweiten Jahr kann geerntet werden.

Himbeeren am Strauch

Die inneren Werte

Seit der Antike wird die Himbeere als Heilpflanze genutzt, denn sie enthält neben einer hohen Menge Vitamin C auch noch die Vitamine Thiamin, Riboflavin, B6, Biotin und Vitamin E. An Mineralstoffen und Spurenelementen sind nennenswerte Mengen an Zink, Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium enthalten.

Die Himbeere ist eine sehr säurehaltige Frucht. Neben Zitronensäure und Apfelsäure enthält sie auch die aus der Weidenrinde bekannte Salicylsäure, also ein natürliches Aspirin. Daher wird der Himbeere eine fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Außerdem regen ihre vielen aktiven Säuren den Harnstoffwechsel an und wirken daher reinigend und harntreibend.

Was den Fruktose-Glucose-Gehalt der Himbeere angeht, so zählt sie zu jenen Früchten, die nur etwas mehr Fruktose als Glucose enthalten und deshalb auch bei einer Fruktose-Malabsorption (oder umgangssprachlich Fruktose-Unverträglichkeit), je nach Empfindlichkeit, meist gut vertragen wird.

Beim Himbeermarmeladekochen kommt uns der hohe Anteil an Pektin zugute und die vielen Gerbstoffe wirken sich positiv auf den Leberstoffwechsel aus. Durch den hohen Ballaststoffanteil, der auf die vielen Kerne dieser Sammelsteinfrucht zurückzuführen ist, regt sie auch noch die Verdauung an. Neben den Früchten werden auch die getrockneten Himbeerblätter therapeutisch genutzt.

Himbeeren

Was sagt die TCM dazu?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin zählt die Himbeere zum Element Holz und hat einen besonderen Organbezug zu Milz, Niere und der Leber. Sie hat ein neutrales Temperaturverhalten. Die Himbeere ist ein wahres Bluttonikum und wirkt außerdem blutreinigend, entgiftend und Säfte bildend. Daher wird sie in der TCM bei Blut-Mangel, Infektanfälligkeit, Sehschwäche aber auch bei Stoffwechselschwäche und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Daneben sagt man ihr nach, dass sie positiv bei glanzlosem Haar wirkt und trockene Schleimhäute und trockene Augen befeuchtet.

Die kulinarische Seite

In der Küche ist die empfindliche, nicht lagerfähige Frucht vorwiegend in Desserts, Kuchen, Fruchtsoßen und Marmeladen zu finden. Ein Klassiker, der wohl jedem bekannt ist, ist die „Heiße Liebe“: Vanilleeis mit heißen Himbeeren. So einfach und doch genial! Ich muss mir das unbedingt demnächst wieder einmal machen!

Die Früchte werden aber auch gerne von Liebhabern der harten Getränke zu Obstbrand verarbeitet und Feinschmecker schwören auf Himbeeressig, den man übrigens auch ganz leicht selbst herstellen kann. Dazu setzt man die Himbeeren mit etwas Zucker oder Honig in Weißweinessig an und lässt ihn 2 Wochen stehen. Jeden Tag wird ein wenig geschüttelt und nach den 2 Wochen wird der Essig abgeseiht. Er sollte dann eine schöne rote Farbe und ein feines Himbeeraroma haben. Verwenden kann man diesen Essig dann für alle Blattsalate.

Manchmal wird die süß-saure Frucht auch in der pikanten Küche eingesetzt, und das nicht nur als Essig. Probier mal aus Ziegenkäse mit Himbeeren zu kombinieren, oder einen Spargelsalat.  Und für ganz mutige empfehle ich, einmal ein Rindsragout mit Himbeeren aufzupeppen. Einfach am Ende der Garzeit in die Sauce geben. Wenn Du auf süß-sauer stehst, dann wird Dich die Kombination begeistern.

HImbeeren und Vanilleeis

Wann hattest Du das letzte Mal eine „Heiße Liebe“?

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Susanne Lindenthal
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Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum Anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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Brandteigkrapferl mit Himbeer-Topfencreme - essenbelebt.at - 27. August 2018 Reply

[…] dachte ich, ein Dessert mit Himbeeren muss her, so eines, dem man nicht widerstehen kann. Die Himbeeren, die haben es mir immer schon angetan. Ich liebe dies kleinen empfindlichen Früchte, die ja […]

Wenn der Milchkaffee zu Bauchkrämpfen und Durchfall führt - Laktoseintoleranz - essenbelebt.at - 9. August 2018 Reply

[…] sind Brokkoli, Fenchel, Kohl, Sellerie und Lauch. Also eher die grünen Sorten. Die Obstsorten Himbeeren, Brombeeren, Kiwi, Feigen und Orangen sind ebenfalls gute Calciumquellen. Daneben sind Nüsse und […]

Andrea - 11. Juli 2018 Reply

Hallo Susanne, tolles Früchtchen diese Himbeere. Wir haben das Glück eine alte, reichlich tragende Sorte im Garten zu haben. Ich liebe es die Himbeeren direkt vom Strauch zu naschen. Als Marmelade finde ich die Himbeere auch ganz hervorragend.
LG Andrea

    Susanne Lindenthal - 12. Juli 2018 Reply

    Liebe Andrea, ja ich liebe sie auch und direkt vom Strauch sind sie am Allerbesten! Toll, dass Du noch eine alte Sorte hast, die sind ja auch meist viel robuster. Alles Liebe, Susanne

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