Spargel – ein Aphrodisiakum oder doch einfach nur Gemüse?

Potenzsteigernd, ja oder nein?

Der Gemüsespargel oder Gemeiner Spargel [Asparagus officinalis] hat seinen Ursprung vermutlich in Süd-, Mittel- und Osteuropa sowie in Vorder- und Mittelasien. Den Legenden zufolge haben bereits die Ägypter, Griechen und Römer um seine aphrodisierende Wirkung Bescheid gewusst. Daher war Spargel schon immer ein sehr begehrtes Gemüse.

In mittelalterlichen Kräuterbüchern findet seine positive Wirkung auf die Nieren bereits Erwähnung. Das phallusähnliche Aussehen des Spargels und die traditionelle Anwendung bei Blasen-, Leber-, Nieren- und Harnerkrankungen dürften dieses Gerücht um die potenzsteigernde Wirkung genährt haben. Leider konnte bis dato kein solcher Effekt in wissenschaftlichen Studien belegt werden. Erwiesen ist jedoch seine harntreibende Wirkung.

Zierspargel

Botanisch gesehen

Botanisch gesehen gehört Spargel zur Familie der Spargelgewächse [Asparagaceae]. Die zu den Spargelgewächsen gehörende Gattung Asparagus umfasst ungefähr ca. 300 Arten, von denen über 100 Arten rund um das Mittelmeer beheimatet sind. Die restlichen Arten findet man vorwiegend in Asien.

Bei uns ist nur der Speisespargel [Asparagus officinalis] beheimatet. Er wächst sowohl wild als auch in Kulturen. Spargel braucht trockenen Sandboden und Sonne. Der zum Verzehr geeignete Pflanzenteil ist der Spross der Pflanze.

Die Blätter sind Scheinblätter und haben den Anschein als wären sie Nadeln. Mancher Zierpflanzenbesitzer hat vielleicht eine Zier-Spargelpflanze [Asparagus densiflorus] im Garten. Diese ist jedoch nicht zum Verzehr geeignet.

Weißer Spargel

Vom Feld auf den Teller

Im Frühjahr, wenn sich der Boden erwärmt, und dafür reichen schon 12 °C, treibt die Spargelpflanze mehrere weiße Sprosse in Richtung Erdoberfläche. Meist wird geerntet, wenn die Bodentemperatur ca. 16 °C erreicht hat.

Der Spargel wird dabei in Handarbeit gestochen, noch bevor oder kurz nachdem er die Erde durchbrochen hat. Nur so bleibt Spargel weiß. Man nennt ihn auch Bleichspargel. Grüner und violetter Spargel ist nicht unbedingt eine eigene Spargelsorte. Die Farbe hängt mit dem Zeitpunkt der Ernte zusammen. Hat der Spargel bereits die Erde durchbrochen, bildet die Pflanze durch das Sonnenlicht Chlorophyll und andere Farbstoffe aus, wodurch sich die Sprosse dann grün bzw. violett färben. Grüner Spargel wächst also zur Gänze oberirdisch.

Grüner Spargel

Die Qualität

Spargel ist ein sehr empfindliches Gemüse und sollte sofort verarbeitet werden. Frischer Spargel hat fest geschlossene Spitzen und die Spargelenden sollen nicht ausgetrocknet oder bräunlich verfärbt sein. Die Stangen sollten fest sein und dürfen sich nicht biegen lassen. Frischer Spargel lässt sich gut mit dem Fingernagel einritzen und gibt bei leichtem Druck nicht nach. Bei festerem Druck sollte Saft austreten, der angenehm und nicht säuerlich riecht. Beim grünen Spargel können die Spitzen leicht geöffnet sein.

Die inneren Werte

Spargel enthält ca. 90 % Wasser, rund 2 % Protein, 0,3 % Fett und ca. 0,5 % Kohlenhydrate. Weiters enthält er sehr viel Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Phosphor und die Vitamine A, B1, B2, B6, C, E und Niacin.

Der oft bemerkte strenge Geruch des Urins nach dem Genuss von Spargel hängt mit der Asparagusinsäure zusammen. Diese Säure wird im Körper von Enzymen in schwefelhaltige Verbindungen gespalten, die über den Urin ausgeschieden werden. Spannend ist, dass nicht alle Menschen diese sehr geruchsintensiven Verbindungen beim Urinieren bemerken. Das liegt nicht etwa daran, dass sie die Asparagusinsäure nicht spalten und ausscheiden können, sondern sie diese Verbindungen nicht riechen können. Ihre Geruchsrezeptoren können einfach diese schwefelhaltigen Verbindungen nicht wahrnehmen.

Durch den hohen Wasseranteil hat Spargel wenig Kalorien und durch die entwässernde Wirkung eignet er sich wunderbar als Entschlackungsgemüse für eine Fastenkur im Frühjahr.

Spargel mit Sauce Hollandaise

Was kann man mit Spargel alles anstellen?

Der Klassiker unter den Spargelgerichten ist Spargel mit Petersilkartoffeln und Sauce Hollandaise. Das ist natürlich eine Kalorienbombe, aber einmal im Jahr darf man sich auch so einen sündigen Genuss gönnen.

Ebenfalls ein Klassiker und etwas schonender zur Figur ist Spargel  mit Eier-Vinaigrette. Dazu kocht man den Spargel und serviert ihn mit einer Vinaigrette aus Weißweinessig, Olivenöl, Salz, Pfeffer und würfelig geschnittenen, hart gekochten Eiern. Etwas mehr Pfiff hat die Vinaigrette, wenn Du sie mit fein geraspelten Radieschen und etwas Kresse ergänzt. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Immer beliebter wird die Kombination von Spargel mit Erdbeeren. Spargel muss ja nicht unbedingt gekocht werden und gerade der grüne Spargel eignet sich für einen Spargelsalat mit Erdbeeren ganz besonders. Versuch es mal, Du wirst begeistert sein.

Spargelsalat mit Erdbeeren

Mein persönlicher Favorit bei den Spargelgerichten ist die Spargelquiche. Ich liebe ja sowieso Quiche in jeder Form und Variation und die mit Spargel ist mit Abstand eine der besten meiner Quiche-Rezepte.

Spargelquiche

Aus den Spargelschalen oder verholzten Teilen kann man wunderbar einen Fond zubereiten, der wieder als Basis für ein Risotto, für eine Spargelcremesuppe oder ein Spargelragout verwenden kann.

Wenn man sie nicht für einen Fond verwendet, können Spargelschalen oder verholzte Teile auch gut getrocknet und für Tees verwendet werden. So kann man die entwässernden Eigenschaften das ganze Jahr nützen. Dazu gießt man 2 bis 3 EL getrockneten Spargel mit ¼ L kochendem Wasser auf, lässt den Tee 15 Minuten ziehen und seiht ihn anschließend ab.

Diesen Tee sollte man allerdings nur dann trinken, wenn man zu Wassereinlagerungen neigt, einen nächtliche Hitzegefühle plagen und dabei viel schwitzt und man aus diesem Grund auch unruhig ist. Nicht geeignet ist dieser Tee bei Kältegefühlen, weichem Stuhl, viel hellem Urin und bei Durchfall. Bis zu 3 Tassen pro Tag darf man von diesem Tee trinken, und dann auch nur so lange, so lange die Hitzegefühle anhalten.

Was sagt die TCM dazu?

In der Fünf Elemente Ernährungslehre unterscheidet man in der Wirkung zwischen grünem und weißem Spargel. Beide zählen zum Erdelement und haben einen besonderen Bezug zu den Organsystemen Herz, Milz und Niere. Grüner Spargel ist thermisch kühl, weißer Spargel ist thermisch kalt. Grüner Spargel leitet Nässe aus und fördert die Diurese (Harnausscheidung). Außerdem wirkt er regulierend auf den Stuhlgang und nährt besonders das Leberblut. Weißer Spargel hingegen nährt besonders das Yin und wirkt positiv auf die Lunge bei Trockenheit in der Lunge und Säftemangel. Weißer Spargel reguliert ebenso den Stuhlgang und kann bei Verstopfung eingesetzt werden.

Vorsicht ist geboten bei Schwangerschaft, da Spargel zu stark entwässern kann. Bei Gichterkrankungen, Entzündungen der Nieren und bei Nierensteinen sollte auch kein Spargel konsumiert werden. Die enthaltenen Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut, die wiederum einen Gichtanfall auslösen können.

Wie steht der sensible Darm zum Spargel?

Spargel enthält knapp 1 Gramm Fruktose und nur 0,8 Gramm Glucose pro 100 Gramm Gemüse. Das bedeutet, dass das Gemüse in der ersten strengen Karenzphase bei einer Fruktose-Malabsorption eher nicht geeignet ist. In der späteren Phase beim Austesten der Toleranzschwelle muss man einfach schauen, wieviel vom Spargel individuell vertragen wird.

Auch bei einer FODMAP-armen strengen ersten Phase sollte Spargel vermieden werden. Er enthält neben der Fruktose auch noch große Mengen an Oligosacchariden, die bei so manchem sensiblen Darm oder Reizdarm oder auch bei bakterieller Fehlbesiedelung des Dünndarms Probleme machen können.

Wenn Du schon mal Bauchgrummeln, Blähungen, Blähbauch, Durchfall oder ähnliches nach dem Genuss von Spargel wiederholt bemerkt hast, dann zahlt es sich aus, da einmal genauer hinzuschauen. Was Du mit einer Ernährungsberatung alles erreichen kannst, habe ich in meinem Artikel Wozu Ernährungsberatung? Einblicke in die Integrative Ernährungsberatungspraxis beschrieben. Gerne kannst Du Dir auch direkt mit mir einen Termin für eine kostenlose Erstanalyse vereinbaren. Ich berate Dich gerne persönlich in meiner Praxis in Baden bei Wien, stehe Dir aber auch gerne online zur Verfügung, wenn Du nicht in meiner Nähe wohnst.

Wie geht’s Dir mit Spargel, gehörst Du zu den Liebhabern oder kannst Du gut drauf verzichten?

Ich freu mich über Deine Kommentare!

Literaturnachweis

HIRSCH, S., GRÜNBERGER, F. (2012) Die Kräuter in meinem Garten, Linz, Freya Verlag.
BLARER ZALOKAR, U., FENRICH, B., HAAS, K., KAMB, P., RÜEGG, E. (2009), Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medi-zin, Schiedlberg, Bacopa Verlag.
http://www.spargelseiten.de/botanik_des_spargels.html. Zur Botanik des Spargels. Zugriff 12.04.2014.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gemüsespargel. Gemüsespargel. Zugriff 12.04.2014

Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum Anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.

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Spargelquiche › essenbelebt - 29. April 2018 Reply

[…] Wissenswertes zum Spargel findest Du hier im Artikel Spargel, ein Aphrodisiakum oder doch einfach nur Gemüse? […]

Spargelrisotto mit grünem Spargel › essenbelebt - 2. Mai 2014 Reply

[…] Mehr Information zum Thema Spargel. […]

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