Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

Diese Redewendung ist wohl hinlänglich bekannt, denn märchenaffine Kinder wussten und wissen auch heute noch, dass damit die Linsen gemeint waren, die die böse Stiefmutter dem Aschenputtel in die Asche geworfen hatte. Das arme Mädchen rief die Tauben mit diesem Satz um Hilfe, um die Linsen wieder aufzulesen.

Tellerlinsen
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Botanisch gesehen

Die Redewendung ist ihnen geblieben, den kleinen Samen der Hülsenfrüchtler [Fabaceae], den Linsen [Lens culinaris]. Linsen wachsen am besten auf sandigen lockeren Böden und kommen wahrscheinlich ursprünglich aus Kleinasien. Mittlerweile sind sie weltweit verbreitet und werden sowohl in Europa als auch in Südamerika, Asien und den USA angebaut. Bei uns sind die sogenannten Tellerlinsen am gebräuchlichsten, im asiatischen Raum wird vorzugsweise die rote Linse verwendet, die mittlerweile auch schon in unseren Küchen Einzug gehalten hat. Der Vorteil dieser Sorte ist, dass sie nicht eingeweicht werden muss und eine entsprechend kürzere Kochzeit hat. Ebenso kurze Kochzeiten haben Beluga-Linsen, Berglinsen und gelbe Linsen.

Rote Linsen
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Die inneren Werte

Nicht nur die Vielfalt der Linsen ist groß, auch die Inhaltsstoffe sind bemerkenswert. So wie auch die Bohnen, die ebenso zu den Hülsenfrüchtlern zählen, haben Linsen einen sehr hohen Proteingehalt, was sie zu wertvollen pflanzlichen Eiweißlieferanten macht. 100 g getrocknete Linsen enthalten durchschnittlich 24 g Eiweiß, 41 g Kohlenhydrate, 2 g Fett und 17 g Ballaststoffe. Wie alle Hülsenfrüchte enthalten auch Linsen Lektine, die zwar toxisch sind, aber durch den Kochprozess zerstört werden. Daher sollten Linsen immer gekocht verzehrt werden. Das Einweichen vor dem Kochen trägt ebenfalls zur Reduktion weniger bekömmlicher Inhaltsstoffe bei. Wichtig ist dabei, das Einweichwasser zu verwerfen und mit frischem Wasser zu kochen. Linsen enthalten außerdem nennenswerte Mengen an Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Eisen und Zink und auch zur Vitaminversorgung bei den Vitaminen E, B1, B2, B6, Folsäure und ß-Carotin können Linsen beitragen.

Linseneintopf
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Was sagt die TCM dazu?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Linsen in erster Linie dem Wasserelement zugeordnet, da sie einen besonderen Organbezug zu Niere und Blase haben. Hier gilt, je kleiner der Same umso besser ist der Bezug zum Organ Niere und die Farbe Schwarz gilt ebenso als wirkungsintensivierend. Demnach sind die Belugalinsen besonders intensiv in der Wirkung auf den Funktionskreis Niere. Daneben haben Linsen einen Bezug zu den Funktionskreisen Herz und Leber. Linsen sind ist thermisch neutral, haben einen süßen und sauren Geschmack und sind in der Lage Qi zu vermehren. Sie wirken harmonisierend auf die Mitte und können Feuchtigkeit über die Nieren ausleiten, weshalb sie eine harntreibende Wirkung haben. Daher können sie auch gut bei Wassereinlagerungen, Müdigkeit, Unkonzentriertheit und auch bei Übergewicht eingesetzt werden. Denn neben ihrer Funktion Qi und Säfte zu bilden, sind sie eben in der Lage, trübe Flüssigkeiten, die ja in der Chinesischen Medizin als Grundlage für Schleim und Schleimerkrankungen gelten, auszuleiten. Sie eignen sich aufgrund ihrer Inhaltsstoffe besonders gut für eine vegetarische oder vegane Ernährungsform, ergänzen aber auch perfekt die normale Mischkost.

Linsen, Speck, Zwiebel, Karotten
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Verwendung

In der Küche sind Linsen genauso vielfältig einsetzbar, wie sie Inhaltsstoffe haben. Am bekanntesten sind wohl die Linsen mit Speck und Semmelknödel. Eine Hausmannskost die oftmals als Arme-Leute-Essen abgekanzelt wurde. Mittlerweile erfahren die Linsen aber eine Renaissance, denn die orientalische Küche arbeitet viel mit den oben schon erwähnten roten Linsen und diese halten auch Einzug in unsere Küchen, beispielsweise als indisches Linsen-Dal, Linsen-Suppe, Linsen-Eintopf, Aufstrich oder auch als Linsensalat. Für den Salat eignen sich besonders die kleine Le Puy, eine grün-schwarz-gesprenkelte Linse, die auch französische Linse genannt wird. Sie ist auch nach dem Kochen noch bissfest. Karminative, also verdauungsfördernde Kräuter und Gewürze mitzukochen, fördert zudem die Bekömmlichkeit der kleinen Nährstoffbomben. Hier ist vor allem das Bohnenkraut zu nennen. Aber auch Thymian oder die orientalischen Gewürze wie Kreuzkümmel und Kurkuma haben eine förderliche Verdauungswirkung und machen Linsen verträglicher. Wer bis dato so gut wie nie Linsen gegessen hat, sollte es nicht übertreiben, denn Linsen essen will gelernt sein. Dafür einfach mal mit einer kleinen Menge, also 2 bis 3 Esslöffel pro Tag, beginnen und diese Menge sukzessive steigern. Der Körper produziert dann nach und nach mehr von den für die Verdauung von Hülsenfrüchten notwendigen Enzyme. Um den Verdauungstrakt nicht gleich voll zu belasten, kannst Du mit einer Gemüsesuppe, ergänzt mit ein paar Löffeln Linsen beginnen. Mit vielen Gewürzen, wie Kreuzkümmel, Bohnenkraut, Kardamom, frischem Ingwer, etc. wird sie wesentlich bekömmlicher und schmeckt auch noch gut. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Linsensalat
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Literatur- und Quellennachweis:

RIECKMANN, R. (2017), Kraftsuppen & Essenzen. Heilen und genießen mit den fünf Elementen, Bonn, NutriTao Verlag Ruth Rieckmann.

Was machst Du alles mit Linsen? Sind sie schon Teil Deines Speiseplanes?

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Susanne Lindenthal
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Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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