fbpx

3. März 2021

6 Kommentare

3 Gründe, die gegen das tägliche Glas Alkohol sprechen

By Susanne Lindenthal

März 3, 2021

Alkohol, Entspannung, Fasten, Fettabbau, Intervallfasten, Kalorienbilanz, Nervengift, Resveratrol, Rotwein

Das tägliche Glas Alkohol kann doch gar nicht soooo schlecht sein! Von so manchem Hausarzt der alten Riege wird das Glas Rotwein oder der gute alte Cognac am Abend gerne nach wie vor empfohlen.

Auch beim Intervallfasten, vor allem bei der Methode 10in2, welche Bernhard Ludwig, der Kabarettist, ins Leben gerufen hat, wird das Belohnungsachterl am Abend gefeiert.

Ist Alkohol denn wirklich so schädlich? 

Oder was ist dran an der Aussage, dass Alkohol gut für's Herz sei?

Die Fastenzeit hat ja gerade begonnen und da bietet es sich förmlich an, einmal den Alkohol etwas unter die Lupe zu nehmen. Auch wenn da keiner gerne so genau hinschaut. Denn das Glaserl Wein oder das Glas Prosecco ist immer noch eine sehr geschätzte und gern gesehene Droge.

Verzichtest Du auch gerade auf Alkohol? Vielen nutzen diese Zeit ja gerade dafür.

Wie Du Dir wahrscheinlich schon denken kannst, gehe ich freilich nicht ganz d'accord mit obiger Aussage, dass ein tägliches Glas Alkohol noch niemandem geschadet hätte. 

Sicher, die meisten, die das machen, täglich ein Glas Wein, Prosecco oder Bier zu trinken, spüren das kaum und merken körperlich kaum eine Beeinträchtigung. Aber ist das wirklich so? Ich habe Dir 3 Gründe zusammengestellt, die eindeutig gegen das tägliche Glas Alkohol sprechen. 

1. Alkohol ist ein Nervengift!

Und ein starkes noch dazu.

Was macht der Körper bei einem Giftangriff?

Unser Körper ist ein Wunderwerk an Maschine - ich glaube, das sage ich ziemlich häufig. Wir haben so viele Mechanismen, die einem einzigen Zweck dienen. Nämlich ein Überleben zu sichern.

Wenn wir Alkohol trinken - und sei es noch so eine kleine Menge - dann schrillen alle Alarmglocken, denn der Konsum von Alkohol gleicht einem Giftangriff. Und ja, ich weiß, ein Glas ist noch kein Giftangriff höchsten Ausmaßes, aber schauen wir uns mal an, was passiert, wenn wir mehr als über den Durst getrunken haben.

Wenn der Alkohol den Retourweg antritt

Der Mechanismus des Erbrechens ist eine ganz tolle Geschichte, der nach einem präzisen Plan abläuft. Wie ein Uhrwerk, sozusagen. Wenn im Magen Dinge landen, von denen unser Körper der Meinung ist, dass das da nicht hingehört, dann wird sofort Alarm geschlagen - über die Darm-Hirn-Achse - und der Befehl erteilt: Das Zeug muss raus!

Dieser Befehl löst eine ganze Kaskade an Körperreaktionen aus: der Blutdruck fällt, die Wangen werden fahl, weil das Blut abgezogen und in den Bauchraum transportiert wird, die Speichelproduktion läuft auch Hochtouren um die Zähne vor der gleich folgenden Reaktion zu schützen und in der Magengegend fängt es an zu rumpeln, gleich einem Erdbeben. Das heißt, die Muskeln in der Magenwand kontrahieren, also ziehen sich zusammen, um den Inhalt gen Himmel zu schicken. Manchmal beteiligt sich auch noch der Dünndarm und schickt einen Teil wieder zurück in den Magen. Vor allem dann, wenn Du sonst nicht dazu gegessen und nur dem Alk gefrönt hast. 

Eine Alkohol-Vergiftung darf keinesfalls riskiert werden

OK, ich weiß, das hört sich jetzt nicht so prickelnd an. Nur denk mal zurück in Deine Sturm und Drang Zeit. Da kam es bestimmt auch mal vor, dass Du zu tief ins Glas geschaut hast und dann hat sich Dein Körper einfach gewehrt, gegen das ganze Gift vom Alkohol und Du hast es rausgekotzt. Und ja, der Ausdruck ist auch nicht ladylike, allerdings entspricht das viel eher der Reaktion des Körpers als würde ich sagen, Du hast Dich übergeben. Und ich nenne die Dinge gerne beim Namen 😉 .

Also ja, genau das macht der Körper mit Gift, er schaut, dass das Gift so schnell wie möglich aus dem Körper verschwindet.

Das Erbrechen ist eine Sache, das macht der Körper dann, wenn es wirklich fünf vor zwölf ist. Das kommt eher selten vor, wenn wir uns am Abend zum Stressabbau ein Gläschen Rotwein gönnen.

Die Leber läuft auf Hochtouren beim Alkohol-Abbau

Dafür laufen in unserem Inneren die Organe auf Hochtouren. Alles wird daran gesetzt, den Alkohol so schnell wie möglich rauszubekommen. Da hat dann jeder andere Stoffwechselprozess Sendepause. 

In der Leber wird die Enzymproduktion angeworfen und der Körper produziert auf Teufel komm raus das Enzym Alkoholdehydrogenase. Da kann er aber nicht gleich Unmengen auf einmal produzieren. Das Enzym zu bauen und damit den Alkohol abzubauen, das braucht schon seine Zeit. So kann es, je nach Verfassung und Konstitution zwischen zwei und vier Stunden dauern, bis so ein Achterl Rotwein wieder abgebaut ist. Normalerweise bewältigt die Leber 0,1 Promille Alkohol pro Stunde.

Jetzt stell Dir mal vor, wie lange es braucht, bis der Alkohol einer durchzechten Nacht wieder aus Dir draußen ist! Noch dazu, wenn vielleicht auch noch Hochprozentiges im Spiel war.

Wenn Du lieber Videos schaust ...

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2. Alkohol stört den Fettabbau

Neben vielen anderen Stoffwechselprozessen bremst Alkohol vor allem den Fettabbau. Wie schon erwähnt hat die Leber jetzt andere Sorgen, die kann sich nicht um alles kümmern. Sie ist gerade mit der Giftbekämpfung zu Gange, da hat das überschüssige Körperfett grade echt keine Priorität.

Willst Du vielleicht auch schon seit geraumer Zeit die paar Kilo zu viel runterbekommen? Vielleicht verzichtest Du momentan sogar auf eine Mahlzeit, nur um Kalorien einzusparen. Nachdem Du Dir jetzt ohnedies sonst schon nichts mehr gönnst, muss das Glaserl Wein am Abend ja wohl noch drin sein, denkst Du?

Ja, das verstehe ich. Vor allem dann, wenn die Tage stressig sind und die Ruhemomente am Abend beim Essen förmlich dazu einladen, sich etwas zu gönnen. Nur ist es leider nicht sehr sinnvoll, sich mit Alkohol zu belohnen.

3. Alkohol liefert zusätzliche Kalorien

Denn, Alkohol hat Kalorien, und das nicht zu wenig. Vielleicht weißt Du ja, wie viele Kalorien Dir Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett liefern. Bei Eiweiß und Kohlenhydraten sind es 4,1 kcal pro Gramm, bei Fett sind es 9,3 kcal. Alkohol liefert uns 7 kcal pro Gramm Alkohol. Das ist jetzt aber nur der Alkoholgehalt in einem Getränk.

Bleiben wir beim Glas Wein. Ein gutes Glas Rotwein, und ich spreche von einem Achtel Liter, liefert uns demnach ca. 100 kcal. Zum Vergleich: eine Scheibe Roggenbrot (ca. 40 g) liefert uns auch ca. 100 kcal. Nur damit Du eine ungefähre Vorstellung bekommst, wovon wir sprechen. Mit dem Glaserl bist Du allerdings nicht satt. Ja, ich weiß, mit einer Scheibe Brot auch nicht, aber damit bist Du zumindest einen Schritt in Richtung Sättigung gegangen. Ein Achterl Wein spürst Du kaum, was die Sättigung anbelangt. Das trinkst Du ja meist zusätzlich. 

Gehen wir von einem normalen Essen aus. Und begeben wir uns nach Italien, denn ich kenn kaum jemanden, dem italienisches Essen nicht schmeckt. Meine Pasta alla Gricia hat pro Portion 543 kcal. Für eine Pasta ist das ohnedies sehr wenig. Trinken wir dazu, weil es gemütlich ist und weil wir das gerade sehr genießen, mit unserem Liebsten eine Flasche Wein, dann sind wir alleine nur beim Rotwein auf ca. 300 kcal.

pasta-alla-gricia

Eine halbe Flasche Wein, das sind ja nur drei Achteln, das geht schon! 

Da wirst Du mir wahrscheinlich zustimmen, dass das für einen gemütlichen Abend keine großartige Menge ist und die beeinträchtigt Dich vielleicht auch nicht mal, weil Du das ja öfter machst und auch gewöhnt bist. 

Und schon sind wir auf insgesamt rund 850 kcal zum Abendessen.

Woher kommen die alten Empfehlungen?

Woher kommen jetzt aber die Empfehlungen der alteingesessenen Ärzte und der älteren Generation, dass ein gutes Glas Rotwein oder der berühmte Cognac so gut für's Herz seien?

Es gab ein paar Studien, bei denen beobachtet wurde, dass Alkohol in moderaten Mengen in der Lage sei, HDL zu erhöhen und außerdem die Blutblättchenaggregation vermindern würde durch Absenkung des Fibrinogens.

Ein kurzer Exkurs zu den Cholesterinen

Du kennst das bestimmt aus Deinen Blutbefunden und sie werden oft als das "Gute" und das "Böse" Cholesterin tituliert.

LDL … Low Density Lipoprotein und

HDL … High Density Lipoprotein

Das sind nichts anderes als Transportmoleküle (Transportproteine) für Fett in unserem Blut. Blut besteht ja überwiegend aus Wasser und Fett ließe sich in Wasser echt nicht gut transportieren. Gib mal einen Schuss Öl in ein Glas Wasser und schau was passiert.

Richtig: das Öl schwimmt oben auf dem Wasser.

Genauso wäre das, wenn Du Fett oder Öl oder fetthaltige Substanzen in unser Blut schüttest.

Cholesterin ist Fett und zwar ein relativ komplexes Fett, welches wir für unsere Zellmembranen im Körper brauchen. Soll dieses Fett jetzt im Körper von A nach B transportiert werden, dann braucht es eben diese Transportproteine.

Du kannst Dir das vorstellen wir kleine LKW's mit Fettkügelchen an Board, die durch Deine Gefäße tuckern und das Cholesterin von der Leber in die peripheren Gewebe (also zum Beispiel zum kleinen Zeh) transportieren und das überschüssige Fett wieder retour in die Leber.

Dabei transportiert LDL von der Leber in die Peripherie und HDL transportiert zurück. Hast Du zu wenig HDL im Blut, dann bleiben die Fette irgendwo auf der Strecke liegen. Und das führt in weiterer Folge zur gefürchteten "Arterienverkalkung", also zu Ablagerungen in den Gefäßen, zur sogenannten Arteriosklerose. 

Wieder zurück zum Alkohol

Aufgrund oben angesprochener Studien, die allerdings immer von moderaten und tolerierbaren Alkoholmengen sprechen, wurde dem Alkohol zum Teil eine herzschützende Wirkung zugesprochen und daher kommen auch diese Empfehlungen. 

Moderate Mengen sind übrigens für die Frau 10 g und für den Mann 20 g Alkohol. In unserem Achtel Rotwein sind übrigens ca. 10 bis 13 g Alkohol enthalten, je nach Stärke.

Da die negativen Wirkungen des Alkohols aber bei weitem überwiegen, kann Alkohol definitiv nicht empfohlen werden, in keiner Dosierung!

Auch kein Rotwein. Hier wird ganz gerne immer das Resveratrol hervorgekramt, um den Rotwein in ein besseres Licht zu setzen. Da kannst Du aber genauso gut roten Traubensaft trinken. Resveratrol braucht keinen Alkohol, um positiv im Körper zu wirken 😉 .

essenbelebt im Radio auf Planet Radio Sol

Weißt Du was AA-Fasten ist? Das eine A kannst Du Dir vielleicht vorstellen, da geht's klarerweise um den Alkohol. Ich hatte dieses Mal im Radiosender einen Gast und da geht es um das 2. A in dem von uns gemeinsam kreeierten AA-Fasten. Hör rein und lass Dich überraschen! 

Planet Radio Sol Link zur Sendung

Aber die Entspannung?

Klar, ein Glas Wein am Abend in gemütlicher Runde trägt sicher zur Entspannung bei, denn genau das macht Alkohol, er beeinflusst maßgeblich das Zentralnervensystem und wenn wir den ganzen Tag angespannt sind und unser Sympathikus auf Hochtouren läuft, dann trägt Alkohol zu seiner Beruhigung bei, weil er einfach alles dämpft. Und dieses Gefühl, das haben wir gerne, gerade weil viele von uns dauerhaft erhöhte Stresslevel haben. 

Nichts desto trotz ist das kein guter Weg, den Stress zu minimieren, denn die negativen Effekte stehen in keiner Relation zu den minimalen Entspannungseffekten. Und schon gar nicht, wenn das zur täglichen Routine ausartet. 

Ein Glas Rotwein ein besonders guter

Daher mein Tipp

Baue Entspannungsphasen in Deinen Alltag ein und denke vor allem an eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung, denn dann hältst Du die Stresslevel von vornherein niedrig. Dann braucht es kein tägliches Glas Alkohol. Und wenn Du Dir mal ein Glas Alkohol gönnst, dann such Dir dafür einen besonderen Moment, einen besonderen Anlassfall und gönne Dir einen besonders guten Tropfen, den Du richtig genießen kannst. 

Schreib mir doch!


Wie hat Dir dieser Artikel gefallen? Schreib mir in einem E-Mail oder Kommentar, wie Du zu diesem Thema stehst!

Zusammenfassung für Schnell-Leser 😉
Lesezeit unter 1 Minute

Alkohol kann doch gar nicht so schlecht sein, schließlich gibt es immer noch Ärzte, die ein Glas Rotwein oder ein Glas Cognac am Abend als Herztonikum empfehlen. Leider überwiegen trotz der geringen positiven Wirkung von moderaten Mengen Alkohol die negativen Auswirkungen. Diese 3 Gründe sprechen vor allem gegen das tägliche Glas Alkohol: 

1. Alkohol ist ein Nervengift

Und ein sehr starkes noch dazu. Unser Körper schafft nur ca. 0,1 Promille pro Stunde davon abzubauen. 

2. Alkohol stört den Fettabbau

Da die Leber mit der Produktion der Alkoholdehydrogenase, dem Enzym für den Abbau von Alkohol beschäftigt ist, hat der Fettabbau Sendepause. Und zwar so lange es noch einen Tropfen Alkohol im Blut gibt.

3. Alkohol liefert zusätzliche Kalorien

Neben den herkömmlichen Kalorien, die ein Getränk mit sich bringt, liefert jedes Gramm Alkohol zusätzlich 7 kcal. Das ist fast so viel wie Fett. Und das schlägt sich in Deiner Kalorienbilanz zu Buche. 

Fazit

Das tägliche Glas Alkohol für die Entspannung ist nicht die richtige Wahl, um Dein Stresslevel zu senken. Wenn Du Alkohol trinkst, dann suche Dir dafür besondere Augenblicke und einen besonders guten Tropfen, den Du dann auch richtig genießen kannst. 

Susanne Lindenthal

ÜBER DIE AUTORIN

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe Dir damit zu einem besseren Bauchgefühl.

  • Sehr guter Artikel, prägnant und klar zusammengefasst! Tja, mal sehen ob ich es nach einem heftigen Apothekentag schaffe, auf das entspannende Glas Wein zu verzichten und stattdessen einen kräutertee zu trinken…. An Tagen an denen ich zu Hause arbeite gelingt mir das eh schon . Liebe Grüße
    Isabella

    • Liebe Isabella,
      Herzlichen Dank, freut mich, dass Dir der Artikel hilft und vor allem freut es mich, wenn er so motivierend ist. Du schaffst das bestimmt! Es gibt viele andere Möglichkeiten zu entspannen, die wesentlich gesundheitsschonender sind und hin und wieder, zu besonderen Anlässen, ist dann das Glas Wein ein richtiger Genuss.
      LG Susanne

  • Ich finde, es gibt noch einen vierten wichtigen Punkt zu deinem interessanten Artikel: Ein Schnäpschen nach dem Abendessen, nur zur Verdauung, wie manche entschuldigend beifügen. Oder weil man gerade gefrustet ist.
    Doch diese Gewohnheiten können sich auf Dauer zu einer Sucht entwickeln, wie ich bedauerlicherweise in meinem Bekanntenkreis erleben musste.

    • Lieber Heiko,
      da hast Du völlig Recht. Ich habe hier ja wirklich nur einen Auszug betrachtet. Das Verdauungsschnäpschen ist wirklich noch um ein vielfaches gefährlicher, weil die Alkoholmenge im Schnaps deutlich höher ist, als in Wein. Schlimm, wenn man das bei geliebten Menschen miterleben muss.
      Danke Dir für Deinen Input.
      LG Susanne

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
    >