Was ist schon normal, wenn es um das tägliche „Hauferl“ geht?

Das tägliche Geschäft

Das erste Mal seit langem, dass ich nicht dazu gekommen bin, meinen Blogartikel zur gewohnten Zeit, nämlich am Montag bzw. spätestens am Dienstag, zu veröffentlichen. Dabei mache ich doch gerade diesen tollen Kurs Home Sweet Office 2.0 von Claudia Kauscheder und ihrem Abenteuer Home-Office. Ich habe den Kurs vor Jahren schon mal gemacht, damals steckte er noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile hat Claudia daraus einen Spitzen-Kurs gemacht, der vor allem Solopreneure anspricht, die im Homeoffice mehr Struktur und Ordnung brauchen.

Jetzt bin ich schon von vornherein sehr gut strukturiert und gut organisiert, aber das was mir dieser Kurs vor allem bringt, ist, dass ich meine vielen Tätigkeiten mit Leichtigkeit unter einen Hut bringe. Doch wie das Leben so spielt, manchmal kommen so viele unvorhergesehene Dinge, die einen dann doch irgendwie wieder aus der Bahn werfen. Früher hätte ich gesagt, egal, starte ich halt nächste Woche wieder neu durch. Dank des Kurses habe ich es jetzt  doch noch geschafft, diesen Artikel für Dich zu schreiben. Der nächste kommt dann wieder pünktlich am Montag 🙂

Wenn Beratungen in Lachorgien enden …

Du fragst Dich bestimmt, was es mit diesem Titel ums tägliche Hauferl auf sich hat. Anlassfall für diesen Artikel ist eine Klientin, die ich, wie immer in meinen Beratungen, auch über das tägliche Geschäft befragt habe. DasThema ist ja nicht unbedingt ein gängiges und meist kommt auf die Frage: „Wie schaut’s denn mit dem Stuhlgang aus?“ wie aus der Pistole geschossen ein „normal“ oder ein „alles in Ordnung„. Und da frag ich dann halt in der Regel etwas genauer nach: „Was verstehst Du denn unter normal? Ist er geformt, weich, hart, wie ist die Farbe, der Geruch, …?“. So auch bei dieser Klientin, was letztendlich dazu führte, dass wir Stuhlbilder gegoogelt haben, denn die Farbe konnte sie mir nicht wirklich beschreiben. Die Beratung hat letztlich in einer Lachorgie geendet, denn wenn man danach sucht, beschert einem das world wide web auch so manche Kuriositäten.

Habe ich das „richtige“ Klo zuhause?

Für viele Menschen ist die eigene Ausscheidung immer noch ein Tabu-Thema und viele bauen in ihre Häuser und Wohnungen auch noch sogenannte Tiefspüler-WC’s ein und keine Flachspüler-WC’s. Wenn Du Dich jetzt fragst, was denn der Unterschied zwischen einem Flach- und einem Tiefspüler-WC ist, dann geben Dir diese Bilder den nötigen Aufschluss.

Tiefspüler-WC

Ich wollte immer ein Flachspüler-WC und bin damit auch früher schon auf Widerstand gestoßen, denn es wäre gut, wenn man gar nichts von seinen täglichen Ausscheidungen mitbekäme. Ich sehe das allerdings etwas anders. Denn gerade die Ausscheidungen geben uns sehr viel Aufschluss darüber, was im Körper so los ist und ob die Verdauung gut oder weniger gut funktioniert. Wenn Du also jetzt ein entsprechendes Klo zuhause hast, dann kannst Du das auch leichter beobachten. In meiner derzeitigen Wohnung habe ich glücklicherweise wieder ein Flachspüler-WC 😉

Flachspüler-WC

Obwohl, wenn wir nach unserer Anatomie gingen, dann wäre es wesentlich besser, wir hätten sogenannte Hock-Klos, wie man sie heute auch noch in südlichen Urlaubsländern oder auch in Frankreich finden kann.

Hock-Klo

Denn unser Ende vom Darm wird, wenn wir stehen oder sitzen, von einem Muskel in eine Richtung gezogen und abgeknickt. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, wie wenn man den Gartenschlauch abknickt und vergeblich drauf wartet, dass vorne Wasser raus kommt. Ähnlich geht es unserem Darm im Sitzen.

In der Hocke ist dieser Muskel gelockert und der Darm völlig gerade. Da flutscht der Stuhl dann einfach nur raus. Das wäre also genau genommen unsere natürliche Position für diese Tätigkeit. Wenn Du unter Verstopfung leidest, oder das Gefühl hast, nicht vollständig entleert zu sein, stell Dir mal einen kleine Hocker vor die Kloschüssel und stell – sitzend auf dem Klo – die Füsse auf den Hocker. Das kommt der natürlichen Hock-Position schon sehr nahe und erleichtert den Stuhlgang. Damit tut man seinen Hämorrhoiden auch was gutes. Das ist eine Erscheinung, die es erstaunlicherweise nur in „zivilisierten Ländern“ gibt.

Was ist normal, wenn’s um’s tägliche Hauferl geht?

Nachdem wir jetzt geklärt haben, wie wir das, was wir ausscheiden, auch entsprechend beobachten können, stellt sich die Frage, was ist eigentlich „normal“, wenn’s um’s tägliche „Hauferl“ geht! 

Die Bristol Stuhlformen-Skala

Die Wissenschaft hat das eingehend erforscht. Die beiden Wissenschafter Heaton und Lewis von der Universität Bristol haben 1997 eine Arbeit veröffentlicht, in der sie bei 66 Probanten mit Hilfe von Kontrastmitteln die Darmpassage festgestellt haben. Die Probanten mussten anhand der 7-teiligen Skala in einer Art Tagebuch die Häufigkeit des Stuhlganges und deren Konsistenz beurteilen. Die daraus entstandene Bristol Stuhlformen-Skala wurde dann als diagnostisches Hilfsmittel vorgeschlagen, um die Dauer der Darmpassage beurteilen zu können und auf mögliche Erkrankungen Hinweise zu geben.

Die Traditionelle Chinesische Medizin macht das schon wesentlich länger. Auch hier dient die Häufigkeit, die Konsistenz, Farbe und der Geruch des Stuhls als diagnostisches Hilfsmittel.

Was die Häufigkeit angeht, geht man davon aus, dass alle 1 bis max. 3 Tage als normal für die Stuhlentleerung gilt. Allerdings ist hier auch das subjektive Empfinden ausschlaggebend. Es gibt Menschen, die, wenn sie nicht täglich aufs Klo gehen können, sich entsprechend unwohl fühlen. Andere gehen alle drei Tage und sind weder aufgebläht noch haben sie Verstopfung und sie fühlen sich mit ihrem Rhythmus auch wohl. Also ein genaues Maß gibt es wohl hier auch nicht, wir sind halt alles Individuen. Wenn der Stuhlgang allerdings länger als 3 Tage auf sich warten lässt, sollte das schon ein Alarmzeichen sein und man sollte rechtzeitig einen Arzt konsultieren. Ständige Durchfälle und Stuhlgang häufiger als dreimal pro Tag gehören genauso unter ärztliche Aufsicht, denn hier können Resorptionsstörungen und damit Nährstoffmängel auftreten.

Bristol Stuhlformen-Skala

 

Bei meiner Bild-Recherche bin ich über diese Tasse und Untersetzer* gestossen. So kannst Du schon beim Frühstückskaffee nachschauen, ob Dein Stuhl die richtige Konsistenz hat.

Die Konsistenz des Stuhls

Als „normal“ gelten laut der Bristol Stuhlformen-Skala nur die Typen 3 und 4, also geformt, wurstförmig mit glatter oder maximal rissiger Oberfläche. Ich beschreibe das für meine Klienten immer so:

Brauchst Du beim Klogehen viel Klopapier? Oder könntest Du nach dem Stuhlgang auch ohne Abwischen auskommen?

Wenn der Stuhl zu weich ist, also in Richtung Typ 5, 6 oder 7 geht, dann kommt man ohne Klopapier wohl kaum aus. Laut dieser Skala deuten die Typen 5 bis 7 auf Durchfall hin. Geht der Stuhl in Richtung 2 oder 1, braucht man zwar meist auch kein Toilett-Papier, aber die Prozedur der Entleerung braucht meist deutlich länger und ist meist auch schwerer zu bewältigen. Jedenfalls deuten die Typen 1 und 2 auf Verstopfung hin.

Wenn Du jetzt das Gefühl hast, dass Du bei diesem Thema nicht ganz so optimal unterwegs bist, dann kannst Du da auch mal etwas genauer hinschauen, mit meinem Bauch-Test.

Bauch-Test

Die Farbe, hängt das nicht vom Essen ab?

Spinat am Gründonnerstag und der Stuhl ist entsprechend dunkelgrün oder schwarz, kennst Du das? Ja, abhängig von der Nahrung, kann sich auch die Stuhlfarbe etwas verändern. Normal wäre ein schönes mittelbraun. Wenn der Stuhl dunkler wird, kann das natürlich vom Essen kommen, aber auch auf längere Passagezeiten hinweisen. Sehr heller, cremefarbener Stuhl, der auch eventuell auch noch schwimmt, deutet auf eine Fettverdauungsstörung hin. Und wenn der Stuhl ganz dunkel bis fast schwarz ist, dann könnte das auf Blut aus oberen Darmabschnitten hindeuten und ist ein Indiz dafür, den Arzt aufzusuchen. Natürlich können auch Rote Rübe, Eisenpräparate oder der angesprochene Spinat den Stuhl fast schwarz färben. Hast Du das alles nicht gegessen, dann konsultiere besser mal den Arzt.

Hat der Stuhl eine normale Farbe aber Blutauflagerung, gehören diese ebenfalls abgeklärt. Wenn das der Fall ist, handelt es sich zwar nicht um Blut aus oberen Darmabschnitten, denn das würde den Stuhl schwarz färben. Diese Blut kommt aus dem Enddarm und deutet auf Hämorrhoiden hin.

Das stinkt heute wieder …

Der Geruch des Stuhls wird in der westlichen Diagnostik selten abgefragt – das ist zumindest meine Erfahrung. Normalerweise hat Stuhl nur wenig Geruch, zumindest für den Erzeuger selbst nicht unbedingt unangenehm. Wenn die eigene Ausscheidung allerdings „zum Himmel stinkt“ und oft mit Blähungen einhergeht, kann das ein Hinweis auf zu viel Hitze im Körper, respektive im Dickdarm sein. Antibiotika, Nahrungsmittel wie Spargel und Darmflorastörungen können ebenso einen unangenehmen Geruch erzeugen.

Elefantenhaufen oder Hasenbemmerl

Die Menge ist ebenfalls ein Indikator für Veränderungen im Körper. Eine Klientin erzählte mir einmal, sie könne genau sagen, wann sie Ihre Regelblutung bekäme, denn am Tag davor würde sie einen richtigen Elefantenhaufen produzieren.

Die Stuhlmenge ist abhängig von der Nahrungs-, Ballaststoff- und Trinkmenge. Verringert sich die Menge oder erhöht sie sich, kann das auf zu lange oder zu kurze Passagezeiten hindeuten.

Was kann den Stuhlgang stören oder beeinflussen?

Viele Dinge beeinflussen unseres Verdauung und damit auch unseren Stuhlgang, allen voran die Ernährung. Du hast bestimmt schon mal gehört, dass Du ausreichend trinken solltest um die Konsistenz des Stuhls zu beeinflussen. Eine zu geringe oder auch zu hohe Trinkmenge, kann den Stuhl trockener oder flüssiger machen. Ballaststoffe, das sind die unverdaulichen Nahrungsbestandteile, erhöhen das Stuhlvolumen und setzen Dehnungreize im Darm frei, die zu einer höheren Peristaltik, also Darmbewegung, führen. Ein zu wenig davon macht den Darm träge. Wie die Verdauung in seiner gesamten Ausprägung funktioniert kannst Du im Artikel Der Weg des Apfelstrudels nachlesen.

Nicht nur die Ballaststoffe bewegen den Darm, auch die Bewegung im Außen bewegt das Innen. Bewegungsmangel, sitzenden Tätigkeiten, PC-Arbeiten, das tut dem Darm nicht gut und dem Stuhl auch nicht. Wer sich viel bewegt, und wenn es nur ein kleiner täglicher Spaziergang ist, wird besser aufs Klo gehen können, als ein unermüdlicher Couch-Potatoe.

Fertigprodukte mit vielen künstlichen Zusatzstoffen, Süßstoffe, stark denaturierte Produkte, Nahrungsergänzungen aber auch Medikamente und Magen-Darm-Infektionen können die Darmflora stark beeinflussen und stören damit eine natürliche Verdauung. Ebenso können Laktose-Intoleranz, Fruktosemalabsorption, Sorbit-, und Glutenunverträglichkeit oder Histamin-Intoleranz zu Blähungen, Durchfällen und Krämpfen führen.  Hormonelle Veränderungen, wie sie beispielsweise in der Schwangerschaft oder im Wechsel im Körper vonstatten gehen, verändern ebenso die Verdauung.

Du siehst, da kann man ganz schön lange darüber plaudern, was normal und was nicht normal beim täglichen Hauferl ist. Daher ist für mich in meiner Beratungspraxis auch die Frage danach so enorm wichtig. Mit Hilfe dieser Information kann ich auf sehr vieles rückschließen und damit die passende Ernährung für meine Klienten finden.

Achte doch mal bei Deinem nächsten Stuhlgang darauf, was Dir Dein Hauferl sagt!

Ich freue mich über Deine Kommentare!

*) Das Bild der Tasse ist ein Affiliate-Link, d.h. ich bekomme eine kleine 
Provision, wenn Du die Tasse über diesen Link kaufst. Für Dich bleibt 
der Preis gleich.

Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum Anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.

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Wenn Obst im Bauch zur Qual wird › essenbelebt - 14. März 2018 Reply

[…] und Erschöpfung mit von der Partie. Wie gesunder Stuhl auszusehen sollte, habe ich in diesem Artikel „Was ist schon normal, wenn es um das tägliche „Hauferl“ geht?“ schon mal […]

Der Weg des Apfelstrudels durch den Körper › essenbelebt - 12. Februar 2018 Reply

[…] letzte Abschnitt des Dickdarms wird Rektum genannt und speichert die Stuhlmenge, die – bei funktionierender Verdauung – in der Regel einmal täglich ausgeschieden wird (ca. 100 g Stuhl pro Tag) und die ungefähr zu […]

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