Löwenzahn – Wildgemüse oder Unkraut?

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Anlässlich eines ganz besonderen Feiertages am 05. April 2019 möchte ich Dir heute etwas über eine gleichermassen geliebte wie gehasste Pflanze erzählen: über den Löwenzahn. Warum gerade der 5. April bei unseren transatlantischen Nachbarn als National Dandelion Day gewählt wurde, konnte auch der Kalender für Kuriose Feiertage nicht herausfinden. Nichts desto trotz können wir ein bisschen mitfeiern und schauen, was uns diese Pflanze alles bieten kann.

20190405-Happy Löwenzahntag

Der Löwenzahn, ein Korbblütler

​Der Alptraum vieler Gartenbesitzer? Oder doch ein Wildgemüse? Oder gar Heilkraut?

D​er Löwenzahn [Taraxacum officinale] zählt zur Familie der Korbblütler [Asteraceae] und ist eine ausdauernde krautige Pflanze, deren lange, fleischige Pfahlwurzel den Missmut vieler Gartenbesitzer auf den Plan ruft. Einmal im Garten wird man die, als lästiges Unkraut angesehene Pflanze, kaum los, dabei hat sie bei genauerer Betrachtung Respekt und Achtung verdient.

​Die vielen Namen des Löwenzahn

Der in der Volksmedizin verwendete Name „Wiesengold“ trifft es da genauer. Der Löwenzahn, der auch Kuhblume, Butterblume, Sonnenwirbel, Pfaffendistel, Eierbusch, Bettseicher, Sauröhrl, Pusteblume, um nur einige zu nennen, genannt wird, ist ein Allrounder in der Volksmedizin: es gibt angeblich kaum eine Krankheit, gegen die er nicht helfen könne. Durch die Intensivierung der Grünlandwirtschaft mit flächendeckender Düngung hat sich dieses Stickstoff liebende Kraut sehr verbreitet und ist auch aufgrund seines massenhaften Auftretens etwas verkannt.

Ein Gedicht von Wiltrud Eberhardt trifft das besonders gut:

Armer gelber Löwenzahn
Wirst als Unkraut abgetan
Wärst du rar wie Orchideen
Jeder fänd dich wunderschön!

Die Botanik

​Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Erde erwärmt bilden sich aus der den Winter überdauerten fleischigen Pfahlwurzel die ersten Blätter in Form einer grundständigen Rosette. Die Pflanze ist sehr widerstandsfähig und ​sehr genügsam. So findet sich der Löwenzahn an Wegrändern, auf Wiesen aber auch gerne zwischen Steinen, auf Mauern und selbst vor Terrassen und zwischen Terrassenplatten macht er keinen Halt. Die Pfahlwurzeln können bis zu einem Meter in die Erde reichen, was die Gartenbesitzer zumeist nicht freut, denn sie loszuwerden ist wahrlich eine Herausforderung.

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​​Inmitten der Blattrosetten, aus den Blattachseln, entspringen meist mehrere Blütenstandsstiele mit den Blütenknospen. Die gesamte Pflanze enthält einen weißen Milchsaft. Der Blütenstand des Korbblütlers ist eine Scheinblüte mit vielen schmalen gelben Zungenblüten, aus denen später die Früchte mit den Flugschirmen hervorgehen. ​Generativ vermehrt sich der Löwenzahn mit Hilfe des Windes über diese Samen mit Flugschirmen. Der Name "Pusteblume" kommt davon und als Kinder hatten wir eine wahre Freude daran, die Samen mit einem kräftigen Atemstoß in den Wind zu schicken.

​Was macht den Löwenzahn so wertvoll?

Löwenzahn enthält große Mengen an Gerb- und Bitterstoffen, hauptsächlich Sesquiterpenlactone, Phenolcarbonsäurederivate sowie Triterpene. Diesen Bitterstoffen wird eine leberschützende Wirkung nachgesagt. Außerdem fördern sie die Verdauung, da Bitterstoffe die Verdauungsdrüsen anregen, mehr Enzyme zu produzieren. ​Löwenzahn enthält daneben nennenswerte Mengen an Kalium. Der Kaliumanteil wird dafür verantwortlich gemacht, dass Löwenzahn eine harntreibende Wirkung hat. Er regt also den gesamten Stoffwechsel und das Drüsensystem an und fördert daher sämtliche Verdauungsfunktionen. Das macht sich auch die Naturheilkunde zunutze, die den Löwenzahn vorwiegend bei Verdauungsproblemen, als leichtes Abführmittel, verwendet. Außerdem wird er gerne bei Frühjahrskuren als Leberreinigung eingesetzt. 

20190401-Löwenzahn-Wildgemüse-Unkraut-Blattrosette

Die Blätter des ​Löwenzahn sol​len in etwa dreißig mal mehr Eisen als Spinat und ein Vielfaches an ​Carotinoiden im Vergleich zur Karotte haben. Daneben enthält er ​B-Vitamine und Vitamin C. ​

​In der Volksheilkunde wird die gesamte Pflanze verwendet. Die Wurzel enthält, wenn sie im Herbst geerntet wird, wesentlich höhere Anteile an Inulin und ist deshalb spannend im Einsatz bei Diabetes mellitus, weil Inulin positiv auf den Blutzuckerspiegel wirkt. Allerdings macht sie das auch wieder etwas schwerer verdaulich. Außerdem können diese Wurzeln geröstet als Kaffee-Ersatz verwendet werden. Wenn die Wurzeln im Frühjahr geerntet werden, enthalten sie mehr Bitterstoffe und wirken daher eher verstärkt abführend.

Was sagt die TCM dazu?

In der TCM werden, wie in der westlichen Volksheilkunde, sowohl die Blätter als auch die Wurzel therapeutisch verwendet. Der Geschmack der Blätter ist süß und bitter, der der Wurzel bitter. Aufgrund des bitteren Geschmacks wird der Löwenzahn ​​dem Feuerelement zugeordnet. Einen besonderen Bezug hat er zu den Organen Leber, Gallenblase, Magen, Dickdarm, Niere und Blase. Also auch die TCM sieht die Wirkung der Pflanze sehr breit gefächert. Thermisch ist der Löwenzahn kühlend bis kalt. Hier ist spannend, dass die Chinesen den Löwenzahn [Pu Gong Ying] als sehr kalt einstufen, hier bei uns scheint er aber nicht ganz so kalt zu wirken. In jedem Fall ist er in der Lage toxische und feuchte Hitze auszuleiten, das Yang abzusenken sowie das Leber-Qi zu bewegen. Er findet daher Einsatz als Leber-Qi-Tonikum und Kühlungsmittel bei zu viel Hitze im Körper. 

20190401-Löwenzahn-Wildgemüse-Unkraut-Zungenblüte

​Das entgiftende Heilmittel wird in China bei akuter Mastitis, Karbunkeln, Gastritis, Hepatitis und bei Infektionen der Harnwege eingesetzt. Also alles Erkrankungen, die mit Hitze oder feuchter Hitze assoziiert sind. ​Die TCM-Disharmoniemustern, bei der Löwenzahn seine Anwendung findet sind toxische Hitze, feuchte Hitze der Gallenblase und Leber, Leber Qi Stagnation, loderndes Leber-Feuer, aufsteigendes Leber-Yang, bei Feuchtigkeit in Niere und Blase, bei Hitze sowie bei Milz Qi Mangel. 

Kontraindiziert ist Löwenzahn bei vorherrschender Kälte und Yang-Mangel. 

Der Einsatz in der Küche

​Man kann alle Teile vom Löwenzahn in der Wildkräuterküche verwenden: die Röhrenstängeln als klassischer steirischer/kärntner Röhrlsalat, die jungen, frischen vitaminreichen Blätter ergeben einen leicht bitteren Salat oder einen grünen Smoothie, gekocht werden sie ​wie Blattspinat verarbeitet und verwendet. Die noch nicht geöffneten Blütenknospen können in Essig eingelegt und wie Kapern ​eingelegt werden. Auch die Wurzeln kann man geraspelt roh oder gekocht als Gemüse verzehren.

Aus den Blüten lässt sich ein wunderbarer Löwenzahnblüten-Sirup, ein Gelee oder ein Likör herstellen.

​Wenn Du bis hierher gelesen hast, dann ist der Löwenzahn vielleicht schon Dein Freund oder Du hast Dich mittlerweile mit ihm versöhnt und nutzt die natürlichen Vorkommen in Deinem Garten, um sie in die nächste Suppe, den nächsten Smoothie oder ein paar Blätter davon im nächsten Spinatstrudel zu verwerten. Versuch doch vielleicht mal die Spinatsonne mit ein paar Blättern vom Löwenzahn aufzupeppen oder ein Pesto aus Bärlauch und Löwenzahn. Überhaupt ist der Frühling voll von tollen Wildkräutern, die Du zusammen zu einer tollen grünen Suppe verkochen kannst.

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​Die Neun-Kräuter-Suppe

Eine typische Frühlingssuppe ist die Neun-Kräuter-Suppe.

DIE Neun-Kräuter-Suppe“, bzw. ein genaues Rezept gibt es nicht, da je nach Region und je nach Verfügbarkeit in der Natur die Zusammensetzung an Kräutern variieren kann. Das heißt, Deiner Phantasie sind keine grenzen gesetzt und Du kannst Deine eigene Neun-Kräuter-Suppe kreieren.

Ich nehme als Basis 

  • etwas Öl
  • 1 Zwiebel
  • 3 bis 4 mehlige Kartoffel
  • ev. 1 bis 2 Karotten
  • 1 Liter Gemüsesuppe (oder Wasser und Suppenwürfel)
  • 50 bis 100 g frische Kräuter
  • Gewürze: Salz, Pfeffer, etwas Zitronensaft, ev. Knoblauch, ev. Ingwer, ev. Kurkuma
  • etwas Sauerrahm, Creme fraîche oder Schlagobers zum Verfeinern der Suppe

​Folgende Kräuter kannst Du für die Suppe verwenden:

  • Gänseblümchen – Blüten und Blätter
  • Bärlauch – Blätter, Knospen, Blüten, sofern bereits vorhanden
  • Brennnessel – junge Blätter
  • Löwenzahn – Blätter , Knospen, Blütenblätter
  • Scharbockskraut – nur die Blätter und nur vor der Blüte!
  • ​Gundelrebe – Blätter und Blüten
  • Vogelmiere – Blätter und Blüten
  • Giersch – Blätter
  • Schafgarbe – erste zarte Blätter
  • Wegerich, Breit- und Spitzwegerich ​– Blätter
  • Wiesenkerbel – Blätter
  • Sauerampfer – Blätter
  • Brunnenkresse – Blätter
  • uvm.
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​Aus den Zutaten (bis auf die Kräuter und den Sauerrahm) eine Suppe kochen, zum Schluss die Kräuter und den Sauerrahm zugeben und die Suppe pürieren. Schon hast Du die pure Frühlingsenergie in leicht verdaulicher Form.

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​Wie stehst Du zum Löwenzahn - siehst Du ihn als Freund oder Feind? ​

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Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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Kerstin Schulenburg - 4. April 2019 Reply

Liebe Susanne,
vielen Dank für diesen interessanten Artikel, in dem du den Löwenzahn so vielseitig beleuchtest. Für mich war der Löwenzahn bisher schon immer Freund, aber eher weil er bei unseren Kaninchen sehr beliebt ist und ich daher froh um jede Pflanze auf unserem Rasen bin … zum Leidwesen der Nachbarn.
Dein Artikel hat mich angeregt ihn jetzt auch mal selbst zu probieren, da war ich bisher noch zurückhaltend.
Besonders die Erläuterungen aus der TCM finde ich als Feng Shui Expertin sehr interessant.

    Susanne Lindenthal - 4. April 2019 Reply

    Liebe Kerstin,
    das freut mich sehr, dass Dir der Artikel gefällt. Die Kaninchen wissen schon was gut ist :). Ja, versuch es ruhig. Gerade im Frühjahr sind die jungen Blätter noch etwas milder. Allerdings sind wir die Bitterstoffe in der Ernährung kaum mehr gewöhnt und daher schmeckt er für unsere verwöhnten Gaumen auch dann schon meist sehr bitter. Die natürlichen Bitterstoffe sind in vielen Gemüsesorten leider rausgezüchtet worden, dabei wären sie so gut für unsere Verdauung. Bin neugierig was Du berichtest über Deine ersten Versuche :). Freut mich auch sehr, dass mein integrativer Ansatz mit dem Besten aus zwei Welten Anklang findet. Die TCM hat einfach einen tollen Denkansatz.
    Alles Liebe,
    Susanne

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