Rhabarber – Obst oder doch Gemüse?

Alte Weisheit und neue Erkenntnis

Der Gemeine Rhabarber [Rheum rhabarbarum], auch Gartenrhabarber oder Gelbsuchtwurzel genannt, galt früher als das Mittel der Wahl bei Gelbsucht. Es hieß, „man solle eine weiße Rhabarberwurzel zu Pulver zerstoßen, damit ein viereckiges, drei Daumen breites Säckchen von Leinwand befüllen und es dem Patienten um den Hals hängen, und zwar so, dass es die Gegend des Magens berühre“.

Diese doch sehr abergläubisch wirkende Weisheit lässt sich vielleicht darauf zurückführen, dass dem Rhabarber tatsächlich eine magenstärkende und gallenanregende Wirkung nachgesagt wird. Daneben wirkt er stuhlfördernd und abführend. In der Phytotherapie wird vorwiegend das Rhizom (Wurzelstock) verwendet und weniger die Blattstiele des Rhabarbers. Diese finden in der Küche ihre Daseinsberechtigung, was uns auch gleich zur eingangs gestellten Frage führt: Rhabarber ist botanisch gesehen ein Gemüse, obwohl er aufgrund seiner Verwendung als Dessert oder Kuchenbelag eher dem Obst zugeordnet wird.

Botanisch gesehen

Rhabarberpflanze

Rhabarberpflanze
Foto: pixabay.com

Der Rhabarber gehört zur Familie der Knöterichgewächse [Polygonaceae] und ist eine ausdauernde Pflanze, die mit Hilfe von Rhizomen überwintert. Die Blattstiele werden oft bis zu 70 cm lang und können bis zu 5 cm breit werden. In der Medizin verwendet man den Wurzelstock des Medizinalrhabarbers [Rheum palmatum]. Dieser wird getrocknet und pulverisiert und zur Stuhlregulierung oder auch bei Sodbrennen eingesetzt. Die chinesische Bezeichnung Da Huang [Rhei radix et rhizoma] heißt so viel wie „großes Gelb“. Der Name kommt von der kräftig gelben Farbe der Wurzeln und des Wurzelstocks. Traditionell wurden nur die Wurzeln der ursprünglich aus Asien stammenden Heilpflanze, hauptsächlich als Abführmittel verwendet, genau wie in der westlichen Kräuterheilkunde. In China kannte man die Verwendung der Blattstiele kaum. Bei uns ist die Pflanze seit ca. 150 Jahren heimisch.

Die inneren Werte

Rhabarber Blattstiele

Rhabarber Blattstiele
Foto: pixabay.com

Rhabarber zeichnet sich vor allem durch seinen erfrischenden Geschmack und seinen geringen Kaloriengehalt aus und liefert uns wertvolle Vitamine und Mineralstoffe, während andere heimische Früchte noch nicht reif sind. Die Blattstiele können durch Anthocyane zum Teil sehr stark rot gefärbt sein. Die Blätter enthalten Giftstoffe, die, roh verzehrt, Kreislaufstörungen und Erbrechen auslösen können. Die Blattstiele weisen einen relativ hohen Anteil an Oxalsäure auf, der ansteigt, je später im Jahr die Stiele geerntet werden.

Im April beginnt die Ernte und die Blattstiele sollen mit einem Ruck aus dem Boden gezogen bzw. gedreht werden. Wichtig bei der Ernte ist, dass die Stangen wirklich aus der Pflanze gezogen und nicht geschnitten werden. Die verbleibenden Reste würden ansonsten verfaulen und die Pflanze schädigen. Die Ernte endet traditionell am Johannistag, das ist der 24. Juni, also Ende Juni. Danach würden die Oxalsäurewerte selbst im gekochten Zustand ein ungesundes Ausmaß annehmen. Oxalsäure blockiert die Aufnahme von Calcium und Eisen aus der Nahrung. Menschen mit Gicht, rheumatischen Beschwerden, Arthritis oder Problemen mit der Niere sollten gänzlich auf Rhabarber verzichten. Schwangere und Stillende sollten ihn ebenfalls meiden. Neben der Oxalsäure enthält Rhabarber vor allem Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium und Eisen und die Vitamine C, A, B1, B2 und Niacin. Außerdem enthält er teilweise recht hohe Anteile an Zitronen- und Apfelsäure. Die Wurzeln enthalten Gerbstoffe und Anthrachinone, die bei höherer Dosierung leicht abführend wirken, bei niedrigerer Dosierung adstringierend.

Was sagt die TCM dazu?

Rhabarber ist nach der TCM thermisch kalt und ist aufgrund des sauren Geschmacks dem Holz-Element zugeordnet. Die Wurzel ist ebenfalls thermisch kalt zählt aber zum Feuer-Element, da sie bitter schmeckt. Dem Rhabarber werden die Organe Dickdarm, Magen, Leber und Herz zugeordnet. Die Wurzel kühlt und bewegt das Blut und wirkt Feuchter Hitze in Leber und Dickdarm entgegen. Daher wird Rhabarber bei Infektionen mit hohem Fieber, Gelbsucht und Entzündungen eingesetzt. Daneben wirkt Rhabarber antibakteriell, antimykotisch, bekämpft Parasiten, wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, appetitfördernd, harntreibend und blutstillend. Außerdem senkt er den Blutdruck und wirkt positiv auf einen erhöhten Cholesterinspiegel. Vorsicht ist geboten, bei starkem Yang-Mangel und einer stark geschwächten Mitte.

Verwendung

Rhabarberstrudel

Rhabarberstrudel
Foto: Mag. Susanne Lindenthal

Wie bereits erwähnt findet der Rhabarber oft in der süßen Küche seine Daseinsberechtigung als Kompott, als Kuchenbelag oder auch als Strudelfüllung. Aber auch für Kombinationen mit Erdbeeren oder Äpfel ist er perfekt geeignet. Erdbeer-Rhabarber-Marmelade ist bereits als Klassiker einzustufen. Ein Rezept für einen Rhabarberstrudel findet Ihr hier.

Literaturnachweis

HIRSCH, S., GRÜNBERGER, F. (2012) Die Kräuter in meinem Garten, Linz, Freya Verlag.
BLARER ZALOKAR, U., VON BLARER, P. (2010), Praxisbuch Westliche Heilkräuter und Chinesische Medizin, Schiedlberg, Bacopa Verlag.
http://www.gartenratgeber.net/pflanzen/rhabarber.html. Rhabarer – Anbau und Pflege. Zugriff 06.06.2014
http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Rhabarber. Gemeiner Rhabarber. Zugriff 06.06.2014

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Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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