Der Kürbis, eine Beere? Wer hätte das gedacht!

Kürbis-Panzerbeere-Lebensmittelsteckbrief-Titel

​​Der Kürbis, botanisch gesehen

Ja, ​genau, das ist kein Tippfehler! Der Kürbis ist eine Beere und zwar genauer eine Panzerbeere. Das mit den echten Beeren und falschen Beeren, botanisch, hatten wir ja schon öfter, wenn Du meine Lebensmittelsteckbriefe, wie z.B. den von der Brombeere, verfolgt hast. Botanisch ist es nämlich dann eine Beere, wenn sich eine Schließfrucht aus einem einzigen Fruchtknoten bildet und genau das ist beim Kürbis der Fall. Ein weiteres Kriterium​ für die Bezeichnung Beere, ist dass die Fruchtwand ​(auch Perikarp genannt) bei der reifen Frucht zumindest noch fleischig, meistens jedoch saftig ist. Ein Kürbis ​hat ein fleischiges Fruchtfleisch. Und wenn dann die Außenschicht auch noch hart oder ledrig ist, so wie beim Kürbis oder bei Zitrusfrüchen oder bei der Gurke, dann spricht man von Panzerbeeren. Avocados sind übrigens auch Beeren.

Meist haben diese Beeren viele Samen und eine kräftige Färbung. Die Früchte werden ​oft sehr groß und unterscheiden sich in Form, Farbe und Größe, je nach Sorte sehr stark. Wildformen haben eine sehr harte Fruchtwand, die auch verholzen ​und vollständig austrocknen kann. Übrig bleiben dann nur die Samen und die trockene Fruchtwand. Dadurch sind die Früchte auch schwimmfähig und die Pflanzen können sich so weiter verbreiten.

Hokkaidokürbis-auf-Hand

​Die Artenvielfalt der ​Kürbisse

​​​Kürbisse [Curcubita] ​zählen zur Familie der Kürbisgewächse [Curcubitaceae] und ​stellen dort eine eigene Planzengattung dar. ​Es ​sind meist einjährige, krautige Pflanzen, die ursprünglich aus Amerika kommen und​ heute weltweit kultiviert werden. ​Genau fünf Arten der Gattung haben wirtschaftliche Bedeutung:

  • Riesen-Kürbis [Curcubita maxima]
  • Moschus-Kürbis ​[Cucurbita moschata]
  • Gartenkürbis [Cucurbita pepo]
  • Curcubita argyrosperma
  • Feigenblatt-Kürbis [Cucurbita ficifolia]

Die beiden letzteren Kürbisarten werden vorwiegend in Peru und Argentinien angebaut. Einer ​meiner Lieblingskürbisse, der Hokkaido-Kürbis ist eine Sorte der Riesenkürbisse. Ein bekannter Vertreter des Moschus-Kürbis ist der Butternut oder Butternuss-Kürbis. Zu den Gartenkürbissen zählen Sorten wie der Spaghetti-Kürbis und auch die Zucchini ​sind Gartenkürbisse. Außerdem wurde eine spezielle samenschalenlose Art ​für die Produktion von Kürbiskernöl gezüchtet. ​Du kannst diese Kürbisart z.B. als Steirischer Ölkürbis vorwiegend in der Steiermark finden, aber dazu  später.

Kürbis-Panzerbeere-Lebensmittelsteckbrief-verschiedene-Kürbissorten

​Ein Blick in die Vergangenheit

​​Spannend ist der Blick in die Vergangenheit. Die Fruchtschalen der getrockneten Früchte, vorwiegend der birnenförmigen Arten, wurden von Jakobspilgern, die auf dem Weg nach Santiago die Compostela waren, als Feldflaschen verwendet. In China wurden die sogenannten Kalebassen dafür genutzt, Kräuterpulver und Arzneien aufzubewahren, weshalb sie dort zum Wahrzeichen der Ärzte und Apotheker wurden. Der Kürbis galt wahrscheinlich aufgrunddessen auch als Zeichen für langes Leben und Gesundheit.

Auch nette Anekdoten gibt es

​Für das gute Wachstum gibt es nette Anekdoten zum Kürbis. Kürbissamen sollten in einem möglichst großen Gefäß zum Beet getragen werden. Je größer das Gefäß umso größer würde der Kürbis wachsen. Eine andere Geschichte besagt, dass sich die dickste Frau der Familie auf jeden einzelnen gesäten Kern setzen solle, dadurch würden die Früchte so groß werden, wie das Gesäß der Frau. Und eine weitere Anekdote erzählt davon, dass junge Mädchen zu Walpurgis ihr Hemd in das Kürbisbeet stecken sollen. Der Kürbis bekäme davon Sehnsucht und würde sich schneller entwickeln. Naja, Du kannst das ja mal nächstes Jahr ausprobieren und mir dann Bescheid geben, ob's funktioniert hat.

Die inneren Werte

​Speisekürbisse sind stark wasserhaltig und daher sehr kalorienarm. Der Kohlenhydratanteil ist relativ gering. Kürbisse enthalten viel Kalium und Eisen, weshalb sie natürlich entwässernd und harntreibend wirken, enthalten aber wenig Natrium und sind daher gut für eine natriumarme Kost bei z.B. Bluthochdruck geeignet.

Kürbisse mit orangefarbenem Fruchtfleisch haben außerdem einen hohen Anteil an Carotinoiden, die antioxidativ wirken. Hokkaidokürbisse haben beispielsweise mehr Carotinoide als Karotten. ​Carotinoide sind ​ Vorstufen vom fettlöslichem Vitamin A, welches besonders für die Sehkraft und die Erhaltung der Infektionsabwehr benötigt wird. Außerdem ist das Vitamin am Aufbau und am Erhalt von Haut und Schleimhaut beteiligt. 

Alles in allem ist so ein Kürbis also ein ganz tolles Lebensmittel.

Hokkaidokürbis-aufgeschnitten mit Kernen

Ein Wort zum Kürbiskernöl

​Kürbiskernöl leistet einen besonderen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung, da es eine besonders gute Zusammensetzung an ungesättigten Fettsäuren hat und einen sehr hohen Gehalt an Vitamin E. Auch wenn es optisch für viele eine Herausforderung ist, das fast schwarz erscheinende Öl zu verwenden, so tust Du Dir und Deiner Gesundheit doch etwas Gutes.

Das dickflüssige, dunkelgrüne Kürbiskernöl wird bei Prostatabeschwerden, Blasen- und Nierenerkrankungen angewendet und kann präventiv dafür eingesetzt werden. Und als kleiner Tipp für Kernölflecken auf der Kleidung: wasche zuerst das Kleidungsstück und lege ​es für ein paar Stunden in die pralle Sonne. Das Sonnenlicht bleicht diese Flecken aus und Du wirst ​nichts mehr von dem Malheur auf Deiner Wäsche sehen.

​​Kürbiskerne, ebenso vielseitig verwendbar und gesund

Die Kerne bzw. Samen eignen sich geschält und getrocknet zum Knabbern und gelten schon seit jeher als bekanntes Mittel gegen Prostataleiden. Aber nicht nur für Männer sind Kürbiskerne therapeutisch einsetzbar. Bei Frauen wirken sie positiv bei den verschiedensten Blasenleiden, besonders bei einer Reizblase.

Kürbiskerne wurden historisch gesehen zuerst verwendet, wahrscheinlich auch deshalb, weil die Früchte bitter waren und die Samen durch ihr Öl als sehr nährstoffreich galten.

Die Kerne in der TCM

​Kürbiskerne zählen ​in der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Erdelement, sind thermisch neutral und haben einen süssen, leicht scharfen bis bitteren Geschmack. Anders als das Fruchtfleisch haben die Kerne einen besonderen Bezug zur Blase und zur Niere. Sie sind in der Lage Nässe auszuleiten und fördern die Harnausscheidung. Sie nähren das Qi und regulieren und bewegen das Qi, vorallem bei Stagnation in der Leber.

Außerdem sollen sie sich dazu eignen, Parasiten wie Würmer, Bandwürmer und Rundwürmer zu beseitigen. Dabei mischt man 200 bis 400 g Kürbiskerne mit Honig und isst diese Mischung in der Früh auf nüchternen Magen. Nach 23 Stunden nimmt man Rhizinusöl ein. Der Bandwurm wird gelähmt, kann sich daher nicht mehr an der Darmwand anheften und wird abgeführt. Kürbiskerne ​stellen somit ein nebenwirkungsfreies, den Magen und Darm schonendes Hausmittel gegen solche Parasiten dar. Ich möchte es trotzdem nicht ausprobieren müssen. 

Wie kannst Du Kürbisse lagern?

Grundsätzlich halten Kürbisse sehr lange und Du kannst sie gut in einem kühlen und dunklen Raum, wie z.B. einer Speis oder optimalerweise in einem Naturkeller ein paar Monate lagern. Damit bist Du über den gesamten Winter hindurch mit Kürbissen versorgt. Wenn Du über keine solche Lagermöglichkeit verfügst, dann kannst Du Kürbisse trotzdem relativ lange auch bei Raumtemperatur in der Wohnung lagern. Sobald ich zu heizen beginne, lege ich die Kürbisse auf die Fensterbank, weil es beim Fenster immer noch eine Spur kühler ist und so hält so ein Kürbis auch ein paar Wochen. Wenn ​sie denn so lange halten ​müssen, denn ich mag ja Kürbis sehr gerne und meist sind sie schnell verkocht.

Wichtig ist nur, dass es sich um reif geerntete Kürbisse handelt, also sogenannte Winterkürbisse. Ein Sommerkürbis ist nicht lagerfähig. Das sind meist Sorten der Gartenkürbisse, die unreif geerntet werden und daher auch nicht lagerfähig sind.

Was sagt die TCM zum Kürbis?

In der ​Traditionellen Chinesischen Medizin zählen ​Kürbisse ​sowohl zum Erd- als auch zum Metall-Element und haben einen süßen Geschmack. Sie sind ​thermisch neutral bis warm und ​haben einen besonderen Bezug zu den Organen ​Milz, Magen, Lunge und Dickdarm. In mancher Literatur findet man in Bezug auf die thermische Wirkung Unterscheidungen zwischen Flaschenkürbissen wie z.B. dem Butternut, der eher mit neutraler thermischer Wirkung angegeben ist und den runden Kürbissen mit kräftiger Farbe, wie z.B. der Hokkaido, der als thermisch warm eingestuft wird.

Kürbis unterstützt die Sehkraft

Wie auch die westliche Ernährungslehre über die Carotinoide eine positive Wirkung auf die Sehkraft festgestellt hat, zeigt das chinesische Denkmodell ​die blutnährende Wirkung vor allem auf das Leberblut und somit ebenfalls eine positive Wirkung auf die Sehkraft.

Kürbis nährt das Qi und die Säfte und ist in der Lage Feuchtigkeit und Schleim zu transformieren. Dadurch​ wirkt er positiv auf die Verdauung und den Stuhlgang. Hier wirkt er besonders bei trockener Verstopfung und hartem Stuhl ausgleichend und regulierend. Besonders bei einem schlechten Ernährungszustand und einem empfindlichen Magen kann Kürbis unterstützend wirken. Bei trockenem Husten ist die Kombination mit Honig förderlich. Probier dann mal einfach mein mediterranes Herbstgemüse. Übertreibt man es mit dem Kürbisgenuss, kann das zu Nahrungsstagnation im Magen führen.

Die kulinarische Seite

Wenn man an Kürbis denkt, denkt man meist an Kürbiscremesuppe. Kürbis ist so vielseitig anzuwenden, dass ich gar nicht weiß wo ich da anfangen soll. Du kannst ein einfaches Kürbisgemüse als Beilage zu Fleisch machen, Du kannst den Kürbis ​in Spalten schneiden, marinieren und im Backrohr backen, Du kannst ihn auch füllen, wie in meinem Rezept ​Gefüllter Kürbis und natürlich kannst Du auch eine Lasagne mit Kürbis machen. Ob Kürbisgulasch oder Kürbisrisotto, er passt annähernd überall dazu. Kürbis eignet sich zum pikant Einlegen oder für Chutneys genauso wie für Süßspeisen. 

Der Einsatz in der Küche ist ​auch deshalb sehr vielseitig, ​weil der Kürbis nur einen sehr dezenten Eigengeschmack aufweist. Je nach Sorte schmeckt der mild bis fruchtig, teilweise nussig oder auch leicht süsslich. Daher kann er sowohl in der pikanten als auch in der süßen Küche verwendet werden. ​Früher und auch heut noch ​wird er ​in Amerika traditionell zu bestimmten Ereignissen verkocht. Ein „Thanksgiving“ ist ohne „Pumpkin Pie“ (Kürbiskuchen) kaum vorstellbar. Gut schmecken auch Brownies mit Kürbis. ​

​​Ich verwende ja Kürbis laufend und ständig ​den ganzen Herbst und Winter hindurch. Und ich recherchiere immer wieder, was man nicht noch alles mit Kürbis machen kann und da bin ich ​über ​den Artikel 21 Dinge mit und über Kürbis von frischgekocht gestolpert. Da findest Du weitere tolle Rezepte und einige Tipps zum Kürbis.

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​Speise- oder Zierkürbis

Ich habe einen kleinen Garten und für meine Gartenabfälle und den Grünschnitt auch einen Kompost angelegt. Die daraus entstehende Komposterde landet natürlich wieder in meinen Beeten und da passiert es immer wieder, dass Pflanzen von selbst aufgehen. Es wandern ja auch meine pflanzlichen Küchenabfälle in den Kompost. Mir ist nicht erst einmal wild ein Kürbis aufgegegangen und das ist dann immer sehr spannend, was genau daraus wird. Bis jetzt hatte ich noch kein Glück, es waren zwar schön anzuschauende Kürbisse, aber genießbar waren sie nicht.

​In solchen Kürbissen können sich ​Bitterstoffe, sogenannte Curcubitacine, bilden, die in den Speisekürbissorten herausgezüchtet wurden​. Durch den Wildwuchs und durch Rückkreuzungen mit anderen Kürbisarten können diese wieder entstehen. Verkochst Du so einen Kürbis und das Gericht schmeckt bitter, dann wirf es bitte weg. Die Bitterstoffe sind hitzebeständig und kaum wasserlöslich, bleiben daher beim Kochen erhalten und können die Magen- und Darmschleimhaut angreifen. In ganz schweren allerdings seltenen Fällen können diese ​Bitterstoffe schwerste Lebensmittelvergiftungen hervorrufen.

wild-aufgegangener-kürbis-mit-blüte

Ein Wort noch zu Halloween

​Traditionell ​werden zu Halloween ​in große ​Kürbisse Masken ​geschnitzt. Die Schale von ​den Panzerbeeren eignet sich hervorragend zum Schnitzen. ​Diese Masken ​werden dann als Windlicht verwendet. Es gibt einige Theorien, worauf sich dieser Brauch des Kürbisschnitzens zurückführen lässt. Einer davon ist der, dass in besonders magischen Nächten die Wand zwischen den Welten sehr dünn wird und sich die Menschen daher mit dem Anzünden von Laternen vor bösen Geistern schützen wollten. Dabei wurden die verschiedensten Naturmaterialien verwendet. Als dann die ersten europäischen Siedler in Amerika die Kürbisse entdeckten, wurden diese für solche Laternen verwendet. Der Brauch, an Halloween böse Geister auszutreiben kommt zwar aus Amerika zu uns, wurde aber von Riten und Traditionen, die in Europa üblich waren, begründet.

Damit bleibt mir nur, Dir einen wundervollen Kürbisherbst zu wünschen und diese ​vielseitige Panzerbeere in all Ihren Ausprägungen zu genießen. 

Deine Susanne

​P.S. Mit diesem Artikel nehme ich übrigens auch an der Linkparty #kürbisoktober von Elke von elkeworks.de teil. Schau auch dort mal vorbei. Da findest Du neben zahlreichen Rezepten auch Dekoideen, Kürbisfotos und DIY Ideen mit Kürbis.

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​Was ist ​fällt Dir zum Kürbis ein? Assoziierst Du damit eher Deko oder Lebensmittel? ​Schreib mir in einem E-Mail oder Kommentar, ​was Du mit ​dem Kürbis alles machst!

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Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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Kürbislasagne einfach zum Nachkochen! | essenbelebt.at - 8. Oktober 2019 Reply

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