Die 3 größten Spinat-Mythen

Spinat-Mythen-Titel

​Wunderwaffe Spinat

​Ostern naht und mit Ostern auch die Karwoche. Der Gründonnerstag ist traditionell der Tag, an dem es Spinat gibt und da dieser Tag in die Fastenzeit fällt, wird Spinat meist mit Erdäpfel und Spiegelei serviert. Um den Gründonnerstag und die Tradition einerseits einzuhalten und andererseits etwas Abwechslung in den Küchenalltag zu bringen, habe ich Dir schon mal eines meiner "Wow-Rezepte" ​gezeigt: die Spinatsonne. Einfach gemacht und trotzdem ein Blickfang und etwas besonderes am Tisch. 

Spinat-Mythen-Spinatsonne

Heute möchte ich allerdings mit ein paar Mythen zum Spinat aufräumen: ​

​Spinat-Mythos Nr. 1: Spinat ist (k)ein guter Eisenlieferant

​Spinat unterlag lange Zeit einem der größten Ernährungsirrtümer der Lebensmittelgeschichte überhaupt. Mittlerweile ist ja bekannt, dass sich ​der Schweizer Wissenschafter Gustav von Bunge beim Eisengehalt von Spinat etwas vertan hat und in einer Publikation 35 mg Eisen pro 100 g Spinat veröffentlichte. Die Versuche wurden damals mit getrocknetem Spinat durchgeführt, was wohl auch zu diesem falschen Wert geführt hat. Getrockneter Spinat enthält naturgemäß weniger Wasser als frischer und wenn dann diese Werte einfach für frischen Blattspinat übernommen werden, dann kann es schon zu solchen Differenzen kommen. 

Richtig ist dagegen, dass Spinat in etwa 3,5 mg Eisen pro 100 g enthält, was immer noch viel für Gemüse ist, jedoch nicht annähernd so viel, dass man unbedingt Spinat essen müsse um „groß und stark“ zu werden, wie das schon Popeye der Seemann in den 1930er Jahren von der Leinwand verlautete. Nichts desto trotz hält sich dieser Mythos nach wie vor. Wahrscheinlich deshalb, weil man dann eine Rechtfertigung hat, dieses Gemüse zu essen - denn bekanntlich ist nicht jeder ein Freund des grünen, Flecken verursachenden und manchmal doch auch bitter schmeckenden, breiförmig zubereiteten Gemüses.

Doch was kann er wirklich, der Spinat?

Spinat [Spinacia oleracea], auch Gemüsespinat oder Gartenspinat genannt, zählt zur Familie der Fuchsschwanzgewächse [Amaranthaceae].

​Nur weil er eben nicht so exorbitant hohen Eisenmengen enthält, heißt das nicht, dass Spinat nicht gesund sei. Er enthält neben Eisen ​nennenswerte Mengen an Kalium, Calcium, Magnesium, Natrium und ​Phosphor. Außerdem liefert uns Spinat eine Menge an Vitaminen der B-Gruppe, C, E und ß-Carotin. ​Spinat enthält außerdem große Mengen an Oxalsäure, die man auch in Rhabarber, Sauerampfer und Mangold findet. Oxalsäure hat die Eigenschaft, dass sie in großen Mengen eher gesundheitsschädlich wirkt. Das ist bei den Mengen im Spinat allerdings noch nicht der Fall, wenn Du hin und wieder Spinat isst. Allerdings hemmt sie die Aufnahme von Eisen im Darm, was natürlich etwas kontraproduktiv ist, wenn Du für die Eisenversorgung Spinat nehmen möchtest. Wenn Du Eisenpräparate nimmst, dann ist Spinat ebenfalls etwas kontraproduktiv. Auch bei Problemen mit der Niere, solltest Du mit ​oxalsäurehältigen Lebensmitteln eher vorsichtig sein. 

Nichts desto trotz liefert uns Spinat genug Nährstoffe, dass er durchaus zu den wertvollen Gemüsen gezählt werden kann. Daneben zählt er durch den hohen Wassergehalt ​zu den Gemüsesorten, die eine geringe Energiedichte aufweisen. Er enthält nur ca. 20 kcal pro 100 g Spinat. Ich würde demnach sagen, Spinat zählt zu den Schlankmachern und um fit in den Frühling zu starten, kann Spinat durchaus den Speiseplan bereichern. 

​Spinat-Mythos Nr. 2: Spinat darf man nicht aufwärmen

​​​Je nach Bodenbeschaffenheit und Düngung, enthält Spinat sehr viel Nitrat, weil die Pflanze überdurchschnittlich gut Stickstoff aufnehmen kann. Daher sollte man Spinat nicht zu lange bei Raumtemperatur lagern, da sich das enthaltene Nitrat mit Hilfe von Bakterien zu Nitrit umwandelt.

Nitrat an sich ist ja nicht wirklich schädlich, aber Nitrit kann es sein. ​In hohen Dosen stört Nitrit den Sauerstofftransport im Körper. Das ist beim Erwachsenen in der Regel kein Problem, allerdings kann es bei Kindern oder alten Menschen, durch das geringere Körpergewicht zu einem Problem werden. 

Wenn jetzt in der Speise, in der sich der Spinat befindet, auch noch bestimmte Aminosäuren befinden - also die Bausteine aus denen Eiweiß aufgebaut ​sind - kann es sein, dass sich aus dem Nitrit und den Aminosäuren krebserregende Nitrosamine bilden. Dazu braucht es aber Hitze. Diese Nitrosamine könnten im Körper krebserregend wirken, allerdings müssen sie dazu erst durch Enzyme aktiviert werden. Sie sind also nicht sofort krebserregend, sondern gelten als präkanzerogen, bevor sie ihre schädliche Wirkung entfalten können.

Diese Inhaltsstoffe und die chemischen Prozesse, die dahinter stehen, sind für den Spinat-Mythos Nr. 2 verantwortlich, dass aus einer Übervorsicht daraus entstanden ist, man dürfe Spinat nicht aufwärmen. Das ist schlichtweg falsch, denn die gebildete Menge an Nitrit ist wie gesagt unbedenklich. Vor allem dann, wenn Du sauber in der Küche arbeitest. Grundsätzlich solltest Du Speisen schnell herunterkühlen und beim Aufwärmen ebenso zügig arbeiten, damit die bakterielle Belastung nicht überhand nimmt. Dann steht auch dem aufgewärmten Spinat nichts im Wege.

Das Aufwärmen von Spinat ist demnach unbedenklich.

​Das #Aufwärmen von #Spinat ist unbedenklich! #essenbelebt 

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​Spinat-Mythos Nr. 3: Spinat ist schwer verdaulich

​Spinat enthält wie alle Blattgemüse einen hohen Anteil an Ballaststoffen. Blätter sind aus Zellulose aufgebaut und die können wir mit unserem Verdauungstrakt nicht verdauen. Allerdings wird und wurde gerade Spinat therapeutisch als Mittel gegen Blähungen eingesetzt. Spinat hat also eher eine verdauungsfördernde Wirkung.

Durch den hohen Ballaststoffanteil regt Spinat die Darmtätigkeit an und hilft dem Darm damit beim Weitertransport des Nahrungsbreies.

Auch die Traditionelle Chinesische Medizin setzt Spinat als verdauungsförderndes Mittel ein. Die TCM erklärt das in ihrem Weltbild allerdings etwas anders:

​In der TCM zählt ​Spinat zum Element Erde und hat einen süß-bitteren Geschmack. Er stärkt besonders die Organe Leber, Magen, Dünn- und Dickdarm und nährt das Blut und das Yin. Daher wird er bei Blutmangel und Trockenheit eingesetzt. Da ​Trockenheit oftmals mit Verstopfung verbunden ist, und Spinat genau bei Trockenheit gut wirkt, weil er den Darm befeuchtet, wirkt er hier positiv auf die Verdauung. Die westliche Diätetik erklärt das mit den Ballaststoffen, die nicht nur die Darmtätigkeit anregt, sondern auch Wasser im Darm bindet und so ebenfalls befeuchtend ​wirkt. ​Etwas Vorsicht ist geboten bei einer schwachen Mitte mit Durchfallneigung. Hier kann Spinat dementsprechend verstärkend wirken.

​Spinat wirkt außerdem entzündungshemmend und auch westlich belegen Studien, dass er die Produktion von roten Blutkörperchen im Rückenmark anregen soll. ​

​Die TCM geht in ihrem Denkmodell immer von der Bekömmlichkeit der Speisen aus und so ist es oftmals nur eine Frage der Zubereitung, ob Du Spinat gut verträgst. Wenn Du eher zu weichem Stuhl neigst, dann solltest Du Cremespinat und Grüne Smoothies in jedem Fall meiden und eher zum Blattspinat greifen. Wenn Du mit Verstopfung kämpfst und eher hitzig bist, dann kann es auch mal ein Salat aus Babyspinat oder ein kleines Glas Smoothie - gut eingespeichelt, löffelweise genossen - sein.

​Fazit

​Spinat liefert uns genauso viel Eisen wie jedes andere Gemüse und daneben noch wertvolle Mineralien, Vitamine und Ballaststoffe und selbst aufgewärmt kannst Du ihn gerne genießen. Er regt unsere Verdauung an und oftmals ist es einfach die Zubereitung, die ihn schwerer oder leichter verdaulich machen. 

Ich jedenfalls mag ihn gerne und freue mich jedes Jahr auf den Gründonnerstag!

Schreib mir doch!


​Wie magst Du Spinat am Liebsten? Oder gehörst Du zu denjenigen, die das grüne Zeug überhaupt nicht ​brauchen?
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Susanne Lindenthal

Mein Name ist Susanne Lindenthal und ich bin Deine Expertin in Sachen Verdauung. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen bin ich mit Leib und Seele Ernährungswissenschafterin, zum anderen bin ich der Traditionellen Chinesischen Medizin verfallen. In meinen Beratungen verbinde ich diese scheinbar konträren Welten und verhelfe damit Führungskräften und UnternehmerInnen zu einem besseren Bauchgefühl.
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Melanzani oder Aubergine und was es mit dem Schatten der Nacht auf sich hat - essenbelebt.at - 1. Juli 2019 Reply

[…] die höchsten Nikotingehalte nach der Tabakpflanze hätte. Das war aber – wir kennen das schon vom Spinat und seinen Mythen – ein ​Fehler in einer […]

Traude - 2. April 2019 Reply

Danke für deine supertalentiert Beiträge

    Susanne Lindenthal - 3. April 2019 Reply

    Liebe Traude,
    freut mich, dass Dir meine Beiträge gefallen.
    LG Susanne

Spinatsonne - essenbelebt.at - 18. März 2019 Reply

[…] Vorsicht ist geboten bei Nierenentzündungen, Nierensteinen und Gicht, denn aufgrund des hohen Oxalsäuregehalts im Spinat kann das kontraproduktiv sein. Ob dieses Rezept zur eigenen Konstitution passt, kann eine […]

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