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Der größte Mythos um die Kartoffel

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​Um Lebensmittel ranken sich sehr oft allerlei Mythen. Oft sind es wirkliche Fabeln und Geschichten unserer Vorfahren, vielfach sind es jedoch oft vermeintlich richtige Aussagen zu unseren Lebensmitteln, an denen standhaft festgehalten wird. So einen Mythos gibt es auch zur Kartoffel. Und mit diesem Mythos möchte ich heute einmal aufräumen. Aber bevor ich dazu komme, möchte ich Dir noch einen Einblick geben, was die Kartoffel alles kann und warum sie für mich ​wahrlich ein einheimisches Superfood ist.


​Mit diesem Artikel nehme übrigens am Superfood-Monat Mai 2020 teil. ​Sabine Nußbaumer von diätbefreit hat den Mai zum Superfood-Monat erklärt und eine ganze Reihe von Ernährungsexpertinnen versorgen Dich den gesamten Montag mit Artikel zu einheimischen Superfood. Jeden Tag wird auf Facebook und Instagram ein anderes einheimisches Superfood vorgestellt. Folge mir doch einfach auf meiner Facebook-Seite, damit Du nichts versäumst. Den Leitartikel von Sabine findest Du übrigens hier: I kum aus Österreich - Einheimisches Superfood

​Ein Blick in die Vergangenheit

Die Heimat der Kartoffel

​Starten wir mit einem Blick in die Geschichte der Kartoffel. Reisen wir zurück in die Zeit der Inkas nach Südamerika in die Hochanden. Denn dort ist die eigentliche Heimat der Kartoffel. Funde in Grabstätten deuten darauf hin, dass die Knolle bereits im 3. Jahrhundert nach Christus fleißig angebaut und verzehrt wurde. Ihren ​Höhepunkt dürfte sie allerdings erst 10 Jahrhunderte später gehabt haben. Denn da betrieben die Inkas bereits einen organisierten Kartoffelanbau mit ziemlich ausgeklügelten Bewässerungssystemen.

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Ihre Reise nach Europa

Zu uns kam die braune Frucht der Erde durch die Seefahrer, die Amerika entdeckten und sie als Mitbringseln zuerst nach Spanien brachten, wovon sie bald ganz Europa eroberte. Auch den Seefahrern hat die Kartoffel gute Dienste erwiesen. Das was auf See oft fehlte am Speiseplan, waren frische Früchte. Viele Seefahrer litten daher an Skorbut, einer Krankheit, die vor allem durch den Mangel an Vitamin C hervorgerufen wird. Die Kartoffel hat viele Seefahrer vor Skorbut bewahrt. ​Ihr Vitamin-C-Gehalt ist zwar wesentlich geringer, verglichen mit anderen Früchten, aber immer noch hoch genug um vor allem auf See und später auch weite Bevölkerungskreise vor Skorbut zu bewahren.

Aufstieg und Verfall

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kannte man die Kartoffel auch bei uns, aber sie wurde in erster Linie wegen ihrer schönen Blüten in den Gärten der Fürstenhäuser ​gepflanzt. Essen wollte das Teufelskraut niemand. Allerlei Mythen rankten sich ja schon seit eh und je um Nachtschattengewächse

Ihr Wert als Nahrungsmittel musste per Dekret von Friedrich II. von Preußen (1712 - 1786) durchgesetzt werden. Er erkannte, dass die Kartoffel ​eine Lösung für die vorherrschenden Hungersnöte sein könnte und hat die Bauern dazu verpflichtet, das exotische Kraut anzubauen. Es hat ein weiteres Jahrhundert gedauert, bis der Kartoffelanbau derart explodierte und maßgeblich zur Ernährung der Bevölkerung in Europa beigetragen hat, dass Missernten erst recht massive Hungersnöte zur Folge hatten. Die Kartoffel hatte es also durch die Industrialisierung und ​durch die große Nachfrage zu einer angesehenen Knolle geschafft. Leider wurde ihr bald der Ruf ein "Armeleute-Essen" zu sein, zuteil und dies hatte zur Folge, dass sie als Grundnahrungsmittel in besser verdienen Schichten nicht mehr gerne gesehen wurde. 

Ein Perspektivenwechsel gefällig?

Über die Jahrhunderte haben sich nicht nur Ernährungsinteressierte mit der Kartoffel beschäftigt. Scheinbar übte die Knolle gerade auf die Kunst einen besonderen Einfluss aus. In München gibt es ​ein eigenes Museum zur Kartoffel. Das Museum widmet sich der Kartoffel ausschließlich in kunst- und kunsthistorischer Hinsicht. Die Kartoffel also mal aus einer anderen Perspektive, als aus ernährungswissenschaftlicher Sicht.

Wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel heute

Obwohl die Kartoffel in der Geschichte der Menschheit viele vor dem Hungertod und vor Krankheiten wie Skorbut bewahrt hat, hat sie leider - wie erwähnt - etwas an Popularität verloren und wird heute zum größeren Teil von der Industrie genutzt, als sie direkt gegessen wird. Das ist sehr schade, denn sie ist eine wahrliche Powerknolle, um nicht zu sagen ein Superfood, welches satt macht, uns mit zahlreichen Nährstoffen versorgt und das mit relativ wenig Kalorien. Kartoffeln haben übrigens im Vergleich zu Getreide eine sehr hohe Produktivität im Anbau: pro Flächeneinheit werden mit Kartoffeln fast so viel Eiweiß und die doppelte Menge an Kohlenhydraten produziert. ​

Kartoffelveredelung?!

Heute finden Veredelungsprodukte der Industrie (ja ich weiß, das Wort finde ich auch furchtbar ...) in Form von Chips​, ​​Pommes frites, Instantpulver Kartoffelpüree, Kartoffelknödel usw. ​annähernd gleich viele Abnehmer wie das Naturprodukt. Das hat zur Folge, dass wir heute auch nur mehr eine Hand voll Kartoffelsorten​ bekommen und kaum mehr eine Auswahl haben. Dabei ​gibst es ​an die 200 unterschiedliche Kartoffelsorten, die heute noch angebaut werden. Leider findet man davon nur wenige in den Supermärkten. Sie haben ​alle ihren eigenen Geschmack und auch ihre eigene Konsistenz. Die Industrie verwendet Kartoffeln zur Stärkeherstellung, für Verdickungsmittel, aber auch Klebstoffe werden aus Kartoffeln hergestellt. Außerdem findet die Knolle ​in der Papiererzeugung ​Verwendung.

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Die Kartoffel hat noch immer einen hohen Stellenwert in der Ernährung, obwohl sie heute zunehmend nicht mehr als frisches Produkt sondern als Convenience Food in Form fertiger Salate, Instantpüree oder auch als Fastfood oder Snack konsumiert wird. Dabei sind Kartoffeln so einfach in der Zubereitung. Ich wundere mich immer wieder, wie ​Viele heute daran scheitern, ein einfaches Kartoffelpüree herzustellen. In vielen Haushalten ist es heute selbstverständlich, das Kartoffelpüree aus dem industriell hergestellten Instantpulver einfach nur anzurühren. Dabei ist gerade Kartoffelpüree, wie im Rezept weiter unten ersichtlich, ​sehr einfach in der Zubereitung.

Botanisch gesehen

Die Kartoffel [Solanum tuberosum L.], liebevoll - nach dem französischen "pommes de terre" - von uns Österreichern Erdapfel bzw. in der Mehrzahl Erdäpfel genannt, zählt zur Familie der Nachtschattengewächse [Solanaceae]. Was es mit den Schatten der Nacht auf sich hat, kannst Du bei den Melanzani (Auberginen) nachlesen, die neben Tomaten und Paprika auch Nachtschattengewächse sind.

​Die Süßkartoffel [Ipomea batatas] hat übrigens mit der Kartoffel gar nichts gemeinsam. Sie gehört zur Familie der Windengewächse [Convolvulaceae] und zur Gattung der Prunkwinden [Ipomoea] und die geernteten Süßkartoffeln sind Wurzeln, die verdicken und keine Ausläuferknollen. Was das ist? Lies einfach weiter.  

Die Vermehrung der Kartoffel

Kartoffeln sind einjährige Pflanzen, die sich sowohl vegetativ, über die Knollen, als auch generativ, also über den Samen vermehren können. Das botanisch Besondere an den Kartoffeln ist, dass sie eine sogenannte Ausläuferknolle ist. Ausläufer (botanisch Stolonen genannt) sind Seitentriebe, also Triebe, die aus dem Spross der Pflanze wachsen, sich am Ende verdicken und dort eine Knolle bilden. Damit sind sie Metamorphosen des Stängels und keine Wurzeln.

Du erkennst das, wenn Du Dir mal eine Kartoffel zu Hand nimmst und sie ganz genau anschaust. Die Augen, die Kartoffeln haben, diese kleine Pünktchen, aus denen Kartoffeln liebend gerne auswachsen, wenn Du sie zu lange und in hellen Räumen lagerst, sind sogenannte Blattansatzstellen (Nodien). Sie schauen aus wie kleine Ansatzstellen, wie wenn Du ein Blatt abgebrochen hättest, welches direkt aus der Kartoffel herausgewachsen ist. Das ist eines der Merkmale, welches zeigt, dass die Kartoffel einfach ein verdickter Spross (= Stängel) ist. 

Exkurs: Ausläufer und Rhizome

​Ich liebe diese Spross-Metamorphosen. Ich finde das einfach faszinierend, was eine Pflanze aus dem Stängel alles machen kann. Und vieles, was ​den Anschein hat, es sei eine Wurzel, weil es unterirdisch wächst, ist in Wahrheit keine Wurzel, sondern z.B. ein Rhizom, wie bei Ingwer und Kurkuma oder eben eine Ausläuferknolle wie bei der Kartoffel. Ausläufer kennst Du bestimmt auch von einer ganz beliebten Pflanze, der Königin unter den Beerenfrüchten. Wenn Du Erdbeeren im Garten hast und Dich wunderst, warum plötzlich an einer ganz anderen Stelle im Garten Erdbeerpflanzen auftauchen, dann geh mal auf die Suche, die Pflänzchen sind durch Ausläufer miteinander verbunden, die bei der Erdbeere allerdings oberirdisch wachsen.

Kartoffeln anbauen

Du kannst Kartoffeln übrigens ganz leicht selbst anbauen. Wenn eine Kartoffel beginnt auszutreiben, dann steck sie einfach in die Erde. Sie wird wachsen und die Mutterknolle, also die, die Du in die Erde gesteckt hast, verrunzelt, denn sie hat genau den Speicher an Nährstoffen, die die Pflanze braucht, um zu wachsen. Dabei verrunzelt sie, aber das macht nichts, denn die Kartoffelplanze sorgt für den eigenen Fortbestand vor, indem sie neue Ausläufer bildet, die wieder am Ende verdicken und neue Speicherorgane, sprich Kartoffeln bilden. Wenn die Pflanze über der Erde beginnt welk zu werden, dann kannst Du Deine Kartoffeln ausgraben. 

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Das Überraschungsgeschenk im Frühjahr

Ich hatte heuer im Frühjahr eine wunderbare Überraschung in meinem Hochbeet. Voriges Jahr wurde dieses nämlich von mir sehr stiefmütterlich behandelt, ich hatte einfach keine Zeit irgendetwas anzupflanzen. Da ich aber immer meine eigene Komposterde verwende und ich das ​eine Hochbeet vorübergehend als Kompost verwendet habe, landeten auch einmal ausgewachsene Kartoffeln ​genau dort. Die haben sich offenbar sehr wohl gefühlt.

Über den Sommer ergrünte das Hochbeet, allerdings mit sehr viel Unkraut und da ich keine Zeit hatte mich darum zu kümmern, habe ich einfach die Blüten des Hochbeeturwaldes genossen. Ich habe schon die Kartoffelpflanze gesehen, aber im Herbst völlig darauf vergessen. Heuer im Frühjahr beim Herrichten des Hochbeetes konnte ich, dank des milden Winters ohne Frost, Kartoffeln ernten. Die kleineren habe ich übrigens jetzt bewusst wieder angepflanzt und die ​Pflänzchen kommen schon durch. Dieses Jahr im Herbst werde ich nicht darauf vergessen 🙂 und ich freue mich jetzt schon auf die Kartoffelernte. 

​Die inneren Werte der Kartoffel

​Oder das, was die Kartoffel zum Superfood macht. Denn die Kartoffel hat alles was sie zu einem sehr hochwertigen Grundnahrungsmittel macht. Mit einem Wassergehalt von knapp 80 Prozent liefert sie uns neben den energieliefernden Inhaltsstoffen Kohlenhydraten und Eiweiß auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe und das bei nur 70 kcal pro 100 g Kartoffel. Das ist sehr wenig und daher kannst Du auch relativ viel Kartoffeln essen, ohne dass sie sich figurtechnisch auswirken. Aber dazu im Kapitel zum größten Mythos der Kartoffel mehr.

Die Kohlenhydrate in der Kartoffel ist eine Stärke, die roh von uns so gut wie nicht verdaut werden kann. Daher müssen Kartoffeln gekocht werden. Erst dann hat die Stärke eine Form angenommen, die von uns verdaut werden kann und das sogar sehr gut.

Der Eiweißanteil in Kartoffeln ist zwar relativ gering, allerdings ​weist er eine sehr hohe biologische Wertigkeit auf​. Das heißt, dass ein sehr hoher Anteil von unserem Körper verwertet und zu körpereigenem Eiweiß aufgebaut werden kann. Also haben Kartoffeln richtig gutes Eiweiß.  

Ein paar Zahlen, Daten, Fakten

Pro 100 Gramm Kartoffel enthält sie

  • ​ca. 78 g Wasser
  • ca. 15 g Kohlenhydraten in Form von Stärke
  • ca. 2 g Eiweiß
  • ca. 2 g Ballaststoffe
  • und nur 0,1 g Fett

Außerdem liefern uns Kartoffeln die Vitamine Thiamin, Riboflavin, Pyridoxin, Niacin, Folsäure, Pantothensäure und ganze 17 mg Vitamin C.

​Auch mit Mineralstoffen dienen sie uns, und zwar mit einer erheblichen Menge Kalium, nämlich 417 mg. Damit kannst Du ca. ein Drittel Deines Tagesbedarfs an Kalium decken.

Wie alle Nachtschattengewächse enthalten Kartoffeln aber auch das schwach giftige Alkaloid Solanin. Vor allem in den grünen Teilen der Pflanze findet man diese in den heutigen Kartoffelsorten zum größten Teil herausgezüchtete Substanz noch. Solanin ist bei hohen Temperaturen wasserlöslich und geht ins Kochwasser über. Deshalb solltest Du das Kochwasser von Kartoffeln auch nicht weiterverwenden. Aufgrund der geringen Mengen in den heutigen Zuchtformen der Kartoffel und der Zubereitung kommt eine Solaninvergiftung kaum noch vor. 

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Kartoffelsorten nach der Reifezeit

Die Industrie bzw. die Produzenten von Kartoffeln unterscheiden die Kartoffeln nach der Reifezeit in 

  • ​Sehr frühe Sorten, das sind Sorten, die meist unter Folie angebaut werden und sehr früh im Jahr bereits in den Handel kommen. Manchmal bekommst Du bereits im Mai, spätestens Anfang Juni die ersten Frühkartoffeln. Diese Sorten können nicht gelagert werden und müssen sofort verbraucht werden. Oft dauert es nur ein paar Tage, dass eine dieser Kartoffeln schlecht wird und das stinkt leider fürchterlich. Vielleicht hast Du Dich auch schon mal gewundert, wo der penetrante Gestank in der Küche herkommt um dann festzustellen, dass eine der Kartoffeln schlecht geworden ist. Echte frühe Sorten haben eine Schale, die sich durch Abbürsten von der Knolle löst (= losschalig), diese Sorten sind jedoch nicht im Supermarkt erhältlich. Hier bekommt man nur mehr schalenfeste Kartoffeln.
  • ​Frühe Sorten kommen gleich nach den sehr frühen Sorten in den Handel, sind festschalig aber auch noch nicht wirklich lagerfähig.
  • ​Mittelfrühe Sorten lösen die frühen Sorten ab und sind ab Mitte August erhältlich. Diese Kartoffeln kannst Du gut lagern, wenn Du einen kühlen, dunklen Raum hast. Das sind die sogenannten Einkellerungskartoffeln.
  • ​Mittelspäte bis späte Sorten brauchen am längsten zum Reifen und kommen sehr spät im Jahr auf den Markt. Für den Produzenten sind diese Sorten jedoch nicht so einfach zu handhaben, da Kartoffeln Frostperioden gar nicht gut vertragen und das Risiko, dass die Ernte geringer ausfällt oder der Qualitätskontrolle nicht standhält, ist für viele Produzenten einfach zu groß. Ansonsten wären diese Sorten auch gut lagerfähig.

Es ist Dir bestimmt schon aufgefallen, dass viele Kartoffelsorten ​klingende Frauennamen besitzen. Dazu habe ich bei meiner Recherche einen netten Artikel vom Woll-Magazin gefunden, in dem es unter anderem heißt, dass es unter den Kartoffelzüchtern offenbar Brauch war, der neuen Sorte den Namen der schönsten Tochter zu geben. Das ist doch mal ein netter Gedanke, wie ich finde.

​Einteilung von Kartoffeln nach dem Verwendungszweck

Speiskartoffeln werden aber auch noch nach dem Verwendungszweck eingeteilt und das ist für uns für die Küche und fürs Essen ja noch viel interessanter und wichtiger.

  • Festkochende Kartoffeln haben eine feste und feinkörnige Konsistenz, sind feucht und die Schale platzt beim Kochen nicht auf. Sie lassen sich gut schneiden und sind daher perfekt, wenn Du Kartoffelsalat machen möchtest. ​Bekannte festkochende Sorten sind z.B. Ditta​, Linda und Sieglinde.
  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln sind ebenfalls feinkörnig, aber nicht mehr ganz so feucht und auch nicht mehr ganz so schnittfest. Die Schale kann leicht aufplatzen beim Kochen und das sind die perfekten Erdäpfel für Salzkartoffeln, Petersilkartoffeln oder auch für das Erdäpfelgröstl. Bekannte Sorten sind z.B. Marabel, Granola und Lady Balfour.
  • Mehligkochende Kartoffeln sind trocken und grobkörnig. Die Schale platzt beim Kochen gerne stark auf. Sie sind besonders geeignet für die Zubereitung von Kartoffelpüree, Kartoffelteig oder Erdäpfelgulasch und Eintöpfe. Sie zerfallen gerne beim Kochen, was dem Eintopf dann seine cremige Konsistenz verleiht. Beliebte Sorten sind z.B. Augusta, Adretta und Ackersegen. 

Was sagt die TCM dazu?

Kartoffeln zählen in der TCM ganz klar zum Erdelement. Alleine schon deshalb, weil sie süß schmecken und wir haben ja gerade auch festgestellt, dass sie vorwiegend aus Stärke bestehen, die wiederum aus Zuckermolekülen aufgebaut ist. Nicht nur der süße Geschmack, sondern auch der besondere Bezug zu den Funktionskreisen Milz und Magen, die ja beide dem Erdelement zugeordnet werden, bestätigt das. Kartoffeln stärken das Qi von Milz und Magen und sie beruhigen die Magenschleimhaut. Gerade bei einer gereizten Magenschleimhaut können Kartoffeln daher Linderung verschaffen. Außerdem leiten sie Feuchtigkeit aus, lindern Schmerzen und hemmen Entzündungen. Insgesamt wirken sich harmonisierend auf die Mitte. Sie werden therapeutisch außerdem bei Schwächezuständen, Appetitlosigkeit und Völlegefühl eingesetzt. Thermisch sind sie als neutral einzustufen. 

Der größte Mythos um die Kartoffel

Kartoffeln machen dick?

​Wenn Du bis hierher gelesen hast, dann kannst Du es Dir bestimmt schon denken. Es ist ein Mythos, wie so viele Mythen in der Ernährung, die allesamt aus Irrtümern entstanden ist, oder aus dubiosen Quellen kommen und sich hartnäckig halten. Meist werden gerade Mythen viel schneller und nachhaltiger verbreitet, als fundierte Informationen. Die sind einfach nicht so spannend. Das kennen wir vom Eisengehalt im Spinat, der dazu geführt hat, dass so gut wie jedes Kind der 70er damit aufgewachsen ist, die grüne Pampe aus dem Tiefkühlpackerl essen zu müssen, wie mit der Mähr um die Kohlenhydrate, die momentan offenbar in der Low-Carb-Bewegung ihren Höhepunkt erlebt.

Wie Du bereits den Nährwerten weiter oben entnehmen kannst, haben Kartoffeln sehr viel Wasser und demnach wenig energielieferende Inhaltsstoffe. Energieliefernde Nahrungsbestandteile sind Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Den Fettanteil können wir bei Kartoffeln nun wirklich vernachlässigen. Der Kohlenhydrat- und Eiweißanteil macht insgesamt ca. 17 g pro 100 g Kartoffel aus. Wenn Du ca. 4 kcal pro Gramm energieliefernden Inhaltsstoff rechnest, dann kommst Du auf die knapp 70 kcal pro 100 g Kartoffeln. Wenn Du also 250 g Kartoffeln isst, was einer relativ großen Portion entspricht, dann hast Du 175 kcal zu Dir genommen. Selbst wenn Du ein halbes Kilo Kartoffeln verdrückst, dann bist Du grade mal bei 350 kcal. Wenn Du diesen Wert ​Deinem Tagesbedarf an Kalorien gegenüberstellst, den ich jetzt mal bei Frauen mit 1.800 bis 2.000 kcal annehme und bei Männern mit 2.400 bis 2.600 kcal, dann ist da noch echt viel Luft nach oben. 

Kartoffeln machen dick!

Und ja, Kartoffeln machen dick, wenn Du sie nicht einfach nur kochst, als Beilage isst und das in den drei Hauptmahlzeiten des Tages. Wenn Du ​stattdessen bei Zwischenmahlzeiten, am Abend vor dem Fernseher, bei geselligen Treffen mit Freunden und immer wieder mal zwischendurch den ​Industrieprodukten wie Chips und Pommes frönst, dann werden sich die Fettmoleküle, die diese Produkte hauptsächlich neben den paar Kartoffeln haben, schön um Deine Hüften legen und sich dort breitmachen. Das hat aber rein gar nichts mit einer gekochten Kartoffel zu tun.

​Was kannst Du mit Kartoffeln alles machen?

​Nachdem wir diesen größten Mythos jetzt geklärt haben und Du einiges zu dieser Wunderknolle erfahren hast, möchte ich Dir zum Schluss noch ein paar Möglichkeiten mit auf den Weg geben, wie Du die Erdäpfel zubereiten kannst. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. 

Kartoffeln müssen wie gesagt gekocht werden, da wir sie sonst nicht verdauen können. Und die Sorte ist wichtig, je nachdem was Du machen möchtest. ​Am häufigsten werden gekochte und geschälte Kartoffeln als Beilage verwendet, in Deutschland Pellkartoffeln genannt. Ich glaube wir haben dafür in Österreich gar kein richtiges Wort. Es sind dann einfach Erdäpfel als Beilage. Die können dann noch zu Petersil- oder Rosmarinerdäpfel verfeinert werden. Viel gegessen wird daneben der Kartoffelsalat und auch da variieren die Zubereitungsarten sehr stark​ nach Regionen. 

Aus den mehligkochenden Erdäpfel kannst Du Kartoffelteig für Knödel, Rouladen, Strudel usw. machen und natürlich mein weltbestes Kartoffelpüree, was daneben auch das einfachste ist und das Rezept bekommst Du im Anschluss gleich mit. Damit nie wieder das Packerlpüree herhalten muss. Das ist zugegeben jetzt auch nicht schlecht, weil es zumeist nur aus getrockneten Kartoffelflocken besteht, aber selbstgemacht und frisch ist einfach um Welten besser.

Erdäpfelgröstl-von-vorne

​Kartoffelklassiker sind also:

  • Erdäpfelgröstl
  • ​Kartoffelgulasch
  • Erdäpfelsalat
  • Petersilkartoffel
  • Bratkartoffel
  • ​Herzoginkartoffel
  • Blunzengröstl
  • ​Grenadiermarsch (Resteverwertung)
  • Ofenerdäpfel
  • Kartoffelpüree
  • Kartoffelknödel (Grammelknödel, Wurstknödel, Selchfleischknödel, Hascheeknödel, etc.)
  • ​Kartoffelgratin
  • Kartoffelkas (Kartoffelaufstrich)
  • Kartoffelrösti
  • Fächerkartoffeln
  • Kartoffelsuppe
  • ​usw.

Die Liste könnte ich ewig fortsetzen und Dir fallen jetzt bestimmt auch noch jede Menge Rezepte für die Superknolle ein. Und jetzt habe ich Dich auch lange genug auf die Folter gespannt. Jetzt bekommst Du von mir das weltbeste Kartoffelpüree, welches ja gleichzeit auch das einfachste ist. Viel Spaß damit!

Kartoffelpüree-Petersilie-Deko
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5 von 2 Bewertungen

Weltbestes Kartoffelpüree

Eine der am einfachsten herzustellende Beilage, die sensationell schmeckt.
Arbeitszeit10 Min.
Garzeit15 Min.
Gesamtzeit25 Min.
Gericht: Beilage
Land & Region: Österreich
Stichwort: Hausmannskost, Klassiker
Portionen: 2 Portionen
Kosten für das Gericht: EUR 0,68

Nährwerte pro Portion

Serving: 238 g | Energie: 176 kcal | Kohlenhydrate: 30 g | Eiweiß: 6 g | Fett: 3 g

Die Zutaten

  • 350 g Kartoffeln mehligkochend
  • 140 g Milch 1,5 % Fett
  • 1 TL Butter
  • ½ TL Salz
  • 2 Prisen Muskatnuss

Du brauchst außerdem

  • Kartoffelpresse

So wird's gemacht

auf klassische Art

  • Karfoffel schälen, in kleine Stücke schneiden und mit Wasser und einer Prise Salz in einem Topf am Herd kochen.
  • Wenn die Kartoffeln durch sind, das ist je nach Größe der Kartoffeln nach 15 bis 25 Minuten der Fall, diese abseihen und durch die Kartoffelpresse drücken.
  • Den Kartoffelbrei mit Salz und Muskatnuss würzen, die Butter dazugeben und zügig mit der Milch verrühren. Das geht am einfachsten mit dem Schneebesen.
  • Das Kartoffelpüree servieren und genießen. Du kannst es mit Petersilie garnieren oder mit Röstzwiebeln bestreut servieren.

Was es sonst noch zu sagen gibt, zum Kartoffelpüree

​Mein Tipp

Verwende unbedingt mehligkochende Kartoffeln, ich weiß, ich habe das schon mehrmals geschrieben, aber das ist wirklich für das Gelingen des Pürees essentiell. Denn festkochende Kartoffeln verkleistern das Püree und Du bekommst wahrscheinlich Klumpen. Es lässt sich auch nur ganz schwer durch die Presse drücken.

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Hast Du keine Kartoffelpresse, dann kannst Du Erdäpfelpüree auch mit dem Handmixer machen. Ich weiß, jetzt dreht sich bei manchen der Magen um, weil das als Garant gilt, dass Du Klumpen bekommst. Dem ist aber nicht so. Wenn Du eine große Menge, beispielsweise für 6 Personen kochst, dann macht das durchaus Sinn. Wichtig sind dabei - ja ich wiederhole mich - die mehligkochenden Kartoffeln und dass Du den Mixer nur auf kleiner Stufe laufen lässt. Wenn die Kartoffeln vollständig püriert sind, dann lässt Du bei laufendem Mixer in kleinem Strahl die Milch hineinlaufen. Dann wird auch das Kartoffelpüree fein und cremig und gut. Den Stabmixer würde ich allerdings auch nicht dafür verwenden. 

Hast Du einen Thermomix, dann kannst Du Kartoffelpüree auch im Thermomix kochen. Anleitungen dazu gibt es einige in der Cookidoo.

Varianten

Gut zum Kartoffelpüree passen Röstzwiebel, die Du einfach darüber streuen kannst.

Erdäpfelpüree kannst Du beliebig mit anderem gekochten Gemüse ergänzen und so jedesmal anders gestalten. Wichtig ist dabei, dass Du das gekochte Gemüse fein pürierst. Meist lässt sich das nicht durch die Kartoffelpresse drücken. Daher ist es sinnvoll, das Gemüse extra zu kochen, mit dem Stabmixer fein zu pürieren und dann gemeinsam mit der Milch unter die Kartoffeln rühren. So kannst Du mit Karotten oranges Püree und mit roten Rüben ein pinkes Püree machen. Das sind auch tolle Gemüseverstecke für Kinder.

Rezeptwirkung nach TCM

Kartoffelpüree ​besänftigt den Magen und wirkt insgesamt beruhigend. Gerade für hyperaktive Kinder kann so ein Kartoffelpüree unterstützen, damit die Kinder ruhiger werden, während für Jemanden mit depressiver Verstimmung Kartoffelpüree eher kontraproduktiv sein kann.

Schreib mir doch!


​Was machst Du alles mit der Wunderknolle Kartoffel? ​Schreib mir in einem E-Mail oder Kommentar, ​was Dein Lieblingsrezept ist und wenn Du mein Kartoffelpüree nachkochst, freue ich mich über Dein Feedback!

Susanne Lindenthal
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Sabiene - 4. Mai 2020 Reply

Danke für den interessanten Artikel! Und du hast Recht: Es gibt nichts einfacheres, als ein Kartoffelpüree. Eine Freundin von mir arbeitete einmal in einer Institution, in der Kinder aus Problemfamilien nach der Schule betreut werden. Als sie denen einmal selbstgemachten Kartoffelbrei vorsetzte, wusste die Kiddies gar nicht, was das ist. Sie kannten nur den aus der Tüte. Das gab mir damals doch sehr zu denken.
LG
Sabiene

    Susanne Lindenthal - 4. Mai 2020 Reply

    Liebe Sabiene,

    Herzlichen Dank. Es freut mich sehr dass Dir mein Artikel gefällt. Ja, das erlebe ich leider auch viel zu oft, dass viele das gar nicht mehr kennen und wissen, wie einfach Kartoffelpüree ist. Ich finde es wirklich tragisch wenn gerade Kinder so aufwachsen. Das macht mich auch immer nachdenklich und gleichzeitig bin ich dankbar für meinen Beruf, dass ich da aufklären darf und kann und viele dabei unterstützen kann, dass sie es besser machen. Danke auch an Dich und Deine Freundin, denn nur durch die Kleinigkeiten im Alltag lernen Kinder die Vielfalt der Welt und die Vielfalt der Möglichkeiten kennen.

    LG Susanne

Maria - 1. Mai 2020 Reply

Oh, wie ich deine ausführlichen Artikel liebe.

Wahrscheinlich genauso sehr wie Kartoffeln.
Wobei ich die erst durch meinen Mann so richtig schätzen gelernt habe. Denn durch ihn kaufen wir sie auf einem biologischbiologisch-dynamischen Bauernhof, auf dem ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Sozialassistentin ein Hof- & Familienpraktikum absolviert habe.

    Susanne Lindenthal - 2. Mai 2020 Reply

    Liebe Maria,

    herzlichen Dank für Dein Feedback. Es freut mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Und ja, da hast Du völlig Recht, wenn die Qualität gut ist, dann hat man einfach auch mehr Geschmack auf dem Teller. Schön, dass Du die Möglichkeit hast, Erdäpfel BIO einzukaufen.

    LG Susanne

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